Nächster Akt im Antirassismus-Theater: Dunkelhäutige Ballerina erklagt 16.000 Euro Schadensersatz

Guten Morgen liebe Hessen,

Der Rassismus ist allgegenwärtig und macht vor keiner Institution Halt. Auch nicht vor Orten, an denen man ihn am wenigsten vermuten würde, wie z.B. im Theater oder einem Ballett. So hatte vor einigen Monaten eine dunkelhäutige Balletttänzerin ihren Arbeitgeber – das Berliner Staatsballett – verklagt, weil sich dieser geweigert hatte, ihren befristeten und abgelaufenen Arbeitsvertrag zu verlängern. Zur Begründung trug die Tänzerin vor, sie sei „aus rassistischen Motiven benachteiligt“ worden. So sei sie von einer Ballettmeisterin „wiederholt rassistisch beleidigt“ worden, da diese geäußert habe, das Staatsballett hätte die Tänzerin wegen ihrer schwarzen Hautfarbe besser nicht engagieren sollen. Denn Schwarze in einem „Corps de ballet“ sei nicht ästhetisch und störe die Homogenität der Gruppe. Zudem habe sich die dunkelhäutige Tänzerin für eine Schwanensee-Aufführung weiß schminken müssen. Vor dem Schiedsgericht einigten sich die streitenden Parteien auf Zahlung eines Schadenersatzes in Höhe von 16.000 Euro und Verlängerung des Vertrages der Tänzerin um ein weiteres Jahr (1). Die Ballettmeisterin wurde wegen ihres Verhaltens von ihrem Arbeitgeber abgemahnt, wogegen sie gerichtlich vorging. Vor Gericht stimmte dieser jedoch einem Vergleich zu, die Abmahnung wieder zurückzunehmen (2).

Der Intendant des Staatsballetts hatte seinerzeit auch gleich reagiert und angekündigt, Klassiker wie den Nussknacker von Tschaikowski nicht mehr in der üblichen Form aufführen zu wollen, da dadurch „rassistische Stereotype“ bedient werden (1). Da kann der Intendant seinen Betrieb eigentlich gleich ganz einstellen. Denn das Ballett ist eine Kunstform, die vom tänzerischen Ausdruck lebt. Dazu gehört jedoch nicht nur die Bewegung der agierenden Personen, sondern auch deren Körperstatur und die Farbe von Haut und Kleidung. Dies wird gerade bei Schwanensee deutlich, wo zwei unterschiedliche Charaktere (Fee und Dämon) von derselben Tänzerin dargestellt werden, die – je nach Gestalt – als weißer bzw. schwarzer Schwan auftritt entsprechend der allgemeinen Vorstellung, dass die Farbe weiß das Gute und die Farbe schwarz das Böse symbolisiert. Und das nicht nur im Ballett, sondern auch im täglichen Sprachgebrauch: weiße Weste, Weißmacher, schwarzer Tag, Schwarzarbeit, Schwarzgeld, Schwarzmarkt.

Wenn aber bereits das „White-facing“ dunkelhäutiger Darsteller in einer Ballett-Gruppe zur Herstellung eines einheitlichen Bildes als rassistisch unzulässig angesehen wird, kann man den Darstellern auch die Wahl der Bekleidung auf der Bühne überlassen. Da erscheinen die Schwäne dann in Jeans und T-Shirt, Latzhose oder im Overall mit Gummistiefeln. Und wenn die Hautfarbe kein Kriterium mehr sein darf, dürfen auch andere körperliche Merkmale nicht zum Ausschluss aus einer Ballett-Gruppe führen. Dann gibt es zukünftig auch übergewichtige Tänzerinnen mit 150 kg oder gehbehinderte, die sich nur an Krücken fortbewegen können. Tschaikowski hat sich das zwar anders vorgestellt, kann aber nicht mehr dagegen vorgehen, weil er längst tot ist.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2021/rassismusvorwuerfe-staatsballett-schadensersatz/

(2) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2021/ballettmeisterin-gomes-ballerina/

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