NÄCHSTER SCHRITT IM ANTI-RASSISMUS: Quotenregeln für „afro-deutsche“ Straßennamen

Guten Morgen liebe Hessen,

Nachdem bereits das Zigeunerschnitzel, der Mohrenkopf, der Sarotti-Mohr und viele Mohren-Apotheken der sprachlichen Säuberung zum Opfer gefallen sind, haben Aktivisten den nächsten Gang eingelegt: die Straßennamen. In Deutschland – so hat es jedenfalls ein ZEIT-Autor recherchiert – gibt es 450.000 Straßen, die nach irgendwem oder irgendwas benannt sind. Meist sind die Namen unverfänglich, weil sie nach Orten, Tieren oder Gebäuden benannt sind: Berliner Straße, Löwengasse oder Rathausplatz. Aber viele sind nach Personen benannt. Da wird es schon schwieriger. Selbst Personen, die auf den ersten und auch den zweiten Blick unverdächtig erscheinen, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Rassisten, Kriegstreiber oder Antisemiten. Selbst der vielfach geehrte Albert Schweitzer, nach dem sogar Schulen benannt sind, hat sich abfällig über die Bewohner des schwarzen Kontinents geäußert.

Was aber bislang niemandem aufgefallen ist: es gibt zwar zahllose Goethe-, Beethoven-, und Adenauer-Straßen, aber so gut wie keine „Afrodeutschen Straßen“ – also solche, die nach schwarzen Menschen deutscher Nationalität benannt wurden. Ein ZEIT-Journalist hat festgestellt, dass es in der gesamten Republik nur zwei davon gibt: den Hilarius-Gilges-Platz in Düsseldorf – benannt nach einem NS-Opfer – und das May-Ayim-Ufer in Berlin – benannt nach einer 1996 verstorbenen Dichterin (1). Das verlangt förmlich nach einer Quotenregelung für Straßen, die nach dunkelhäutigen Menschen benannt werden. Aber selbstverständlich keine Mohrenstraße, sondern richtige Namen von richtigen Personen.

Eine solche Quotenregelung gibt es bereits, wenn auch nur für Frauen. In vielen Städten – u.a. auch in Frankfurt am Main – werden neu zu benennende Straßen vorzugsweise nach Frauen benannt. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn woher die Namen nehmen? Berühmte Männer, die etwas Besonderes geleistet haben, gibt es genug. Bei Frauen wird es schon schwieriger, vor allem wenn eine bestimmte Quote erfüllt werden muss. Und da greift man dann schon mal auf Frauen zurück, von denen so gut wie nichts bekannt ist. Beispiel: Johanna-Melber (nach der der Johanna-Melber-Weg in Frankfurt benannt ist). Sie war die Schwester von Goethes Mutter und der Dichter erwähnte sie in einem seiner Werke, weil er die Tante aus seiner Kindheit in positiver Erinnerung hatte. Ein Mann müsste da schon deutlich mehr eigene Leistung erbringen, um auf einem Straßenschild verewigt zu werden. Da reicht es keinesfalls aus, der Onkel von Beethoven oder ein Cousin von Willy Brandt gewesen zu sein.

Und so ähnlich dürfte es auch den „Afrodeutschen“ gehen, wenn eine Quotenregelung für dunkelhäutige Deutsche eingeführt wird. Da könnte dann vielleicht ein Fußballspieler der (National)Mannschaft zum Namensgeber einer Straße werden, der in seiner Karriere zwar kein einziges Tor geschossen hat, aber dafür mal von einem Stadionbesucher rassistisch beleidigt wurde.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/zeit-magazin/2020/29/afrodeutsche-strassen-strassennamen-deutschlandkarte

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