Nächstes Pseudoproblem: Institutioneller Rassismus in der Medizin

Guten
Morgen liebe Hessen,

Mirrianne
Mahn sitzt seit April 2021 für die Grünen im Frankfurter Stadtparlament und hat
bereits wenige Wochen nach ihrer Wahl bundesweite Berühmtheit erlangt, als sie in
der Frankfurter Paulskirche den Oberbürgermeister bei seiner Ansprache
unterbrochen hatte, um auf den alltäglichen Rassismus in der Stadt hinzuweisen
(1). Einige Monate später war sie wieder in allen Medien präsent. Diesmal
musste sie in einer Frankfurter Klinik behandelt werden und sah sich auch dort übelstem
Rassismus ausgesetzt, weil ein „rassistischer“ Arzt „grauenvolle Äußerungen“ getätigt
hatte: er hatte die Patientin als „Afrikanerin“ bezeichnet (2).

Das
Deutsche Ärzteblatt hat sich nunmehr dieser Problematik angenommen und den
„Rassismus im Gesundheitswesen“ genauer unter die Lupe genommen. Da wird
zunächst die Genfer Deklaration des Weltärztebundes zitiert, nach der die
ärztlichen Pflichten gegenüber den Patienten unberührt bleiben sollen von
„Glaube, ethischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit oder Rasse“ (3).
Das ist in der Regel auch so. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen. So wurden
bereits vor vielen Jahren im Deutschen Ärzteblatt Sprachkurse für in
Deutschland tätige Ärzte angeboten. In Türkisch, damit sich der Arzt mit seinen
Patienten besser verständigen kann. Und die Chefärzte in Kliniken wurden
aufgefordert, kultursensibel muslimische Frauen nur durch Ärztinnen untersuchen
und behandeln zu lassen.

Bei
einer Podiumsdiskussion zum Thema „Institutioneller Rassismus in der Medizin“
kritisierte die Ärztin Amma Yeboah das deutsche Gesundheitssystem. Demnach
würden schwarze Menschen in Deutschland nicht entsprechend der Leitlinien
versorgt. Ursache hierfür seien zum einen „Forschungs- und Wissenslücken“ und
andererseits die Tatsache, dass „Perspektiven schwarzer Menschen in der Medizin
nicht vorkommen“. Häufig gebe es Behandlungsfehler, z.B. bei Hautkrankheiten
(3). Das liegt in der Natur der Sache. Studenten und Ärzte in einem
mehrheitlich von Weißen bewohnten Land werden naturgemäß an weißen Patienten
ausgebildet. Schwarze Patienten stehen hierfür kaum zur Verfügung. Und deshalb
sehen deutsche Studenten und Ärzte so gut wie nie Hauterkrankungen bei
Schwarzen und sind daher auch nicht in der Lage, diese einzuordnen. Das hat
jedoch nichts mit Rassismus zu tun.

Ebenso
wenig wie die Sterblichkeit, die bei schwarzen Frauen und ihren Kindern in den
USA nach der Geburt erhöht ist – und zwar unabhängig vom sozioökonomischen
Status. Auch hier wird Rassismus bei der Behandlung unterstellt, obwohl
zahlreiche andere Ursachen denkbar sind. Gleiches gilt für die in Deutschland
festgestellte höhere Sterblichkeit von Ausländern im Zusammenhang mit der
Corona-Infektion. Auch hier unterstellt das Ärzteblatt Rassismus im
Gesundheitswesen. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die Ursache der
Übersterblichkeit in kulturell bzw. religiös bedingten Verhaltensweisen zu
suchen ist oder in Sprachbarrieren, die eine Kommunikation bezüglich
Hygienemaßnahmen erschwert. Das passt jedoch nicht ins antirassistische
Weltbild und wird daher ausgeblendet. Stattdessen forderte kürzlich das
„Bundesfachnetz Gesundheit und Rassismus“ in einem offenen Brief an den
Kabinettsausschuss die Anerkennung von strukturellem Rassismus im
Gesundheitssektor, die Anerkennung der Auswirkungen von rassistischer
Diskriminierung als Risikofaktor für psychische und körperliche Gesundheit
sowie die Festsetzung von Konsequenzen bei Vorfällen rassistischer
Diskriminierung durch medizinisches Personal in den Verordnungen der Landes-
(LÄK) und Bundesärztekammer (BÄK) (3).

Ihr
Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1)
https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/471986/8-9

(2) https://www.focus.de/panorama/welt/mirrianne-mahn-liegt-die-afrikanerin-immer-noch-da-gruenen-politikerin-erlebt-rassismus-in-klinik_id_25613795.html

(3) Deutsches Ärzteblatt, Jg. 119, Heft
17, 29. April 2022

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