NEGER GIBT ES IN NRW SEIT 1468 – als Unter-, Mittel- und Oberneger

Guten Morgen liebe Hessen,

Es gibt Menschen mit heller Hautfarbe und solche mit dunkler Hautfarbe. Das ist eine offensichtliche Tatsache und darf derzeit (noch) behauptet und festgestellt werden. Und für Menschen mit dunkler Hautfarbe gab es früher – zu Unterscheidung von solchen mit heller Hautfarbe – auch eigene Bezeichnungen, z.B. „Mohr“ oder „Neger“. Die letztgenannte Bezeichnung war allgemein üblich und wurde weder von den Betroffenen noch von anderen Personen als beleidigend empfunden. Das N-Wort kam früher in zahlreichen Presse-Artikeln vor, z.B. im SPIEGEL: wie etwa „Konstanz – die Neger kommen“ (Heft vom 31.01.1962), „Neger-Exodus“ (12.02.1964) oder gar „Der häßliche Neger“ (25.08.1965). Das war in den sechziger Jahren – also zu einer Zeit als der singende Dachdecker Ernst Neger aus Mainz mit seinen Karnevals-Schlagern im ZDF auftreten durfte.

Aber auch heute wird das N-Wort noch verwendet. Und nicht nur das: es findet sich sogar auf Orts- und Hinweisschildern. Zum Beispiel in Neger, einem Ort im Sauerland. Der liegt im Negertal und ist unterteilt in Unterneger, Mittelneger und Oberneger. Und das schon seit dem Mittelalter – also ohne rassistischen Hintergrund. Die etwa 400 Bewohner des Ortes sind bislang auch nicht mit rassistischen Aktivitäten aufgefallen. Dennoch geriet der Ort in den Focus antirassistischer Sprachsäuberer. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd gingen die ersten Schreiben mit Forderungen nach einer Umbenennung beim Bürgermeister ein.

Inzwischen befasst sich der Berliner „Sprachwissenschaftler“ Anatol Stefanowitsch mit dem Fall: „Das N-Wort ist extrem herabwürdigend, es ist in der deutschen Sprache eines der als am schlimmsten diskriminierend empfundenen Worte überhaupt. Man kann den Ortsbewohnern nicht vorwerfen, dass sie in dem Ort leben, der so heißt. Aber man kann ihnen einen Perspektivwechsel abverlangen“. Dazu waren die Bewohner von Neger bislang aber nicht bereit. Und so haben Aktivisten im Sommer die Ortsschilder von Neger mit Farbe besprüht, um die Bewohner zur Einsicht zu bewegen (1).

Dazu Tahir Della von der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD): „Es wäre sinnvoll, wenn das Dorf und die Kommune überlegen, dass es Menschen gibt, die sich durch den Namen diskriminiert fühlen könnten“. Die ISD habe bereits einige Bundestreffen in der Nähe veranstaltet. Und da gab es „einige, die entsetzt waren, als sie durch den N-Ort gefahren sind“ (1). Weil also einige schwarze Menschen beim zufälligen Vorbeifahren an einem Ortsschild „entsetzt“ waren und „sich diskriminiert fühlen könnten“, soll ein jahrhundertealter Name geändert werden. Da stellt sich natürlich die Frage, warum die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland ihr Jahrestreffen ausgerechnet in der Nähe von Orten mit rassistischer Bezeichnung abhalten muss. Warum gehen sie nicht einfach in eine Gegend mit unverfänglichen Ortsbezeichnungen. Und vor allem dorthin, wo es keine Mohrenapotheke und keine Mohrenstraße gibt, kein Mohrenbräu und keinen Sarotti-Mohren, kein Mohrenhotel und natürlich auch keine Bewohner mit dem Nachnamen Mohr oder Neger. Und selbstverständlich darf der Ort auch keinen Mohren im Wappen führen. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig in Deutschland, wo die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland rassismusfrei tagen könnte. Bliebe das Ausland, z.B. Afrika.

Dort gibt es keinen Rassismus und keine rassistischen Bezeichnungen. Und keine Mohrenapotheken – in vielen Orten gibt es überhaupt keine Apotheken. Also eine rassismusfreie Gegend. Außer vielleicht in Nigeria und im Niger. Aber da muss man ja nicht unbedingt hin.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/wissen/mensch/sprache/es-gibt-einige-die-entsetzt-waren-zu-besuch-in-neger-und-mohrenkirch-koennen-ortsnamen-rassistisch-sein_id_12824108.html

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren