NEUES MONOPOLY MIT FRAUENVORTEIL …weiter gehts mit Schach ohne Dame (für Männer) und Mensch-Ärger-Dich nicht dem Würfel mit zusötzlichen 6ern (für Frauen)

Guten Morgen liebe Hessen,

Darauf hat die Welt seit mehr als 100 Jahren gewartet: endlich gibt es eine „Gender-Pay-Gap-Edition“ des Spiels Monopoly. In der neuen Spiel-Version werden Frauen bevorzugt. Sie erhalten zu Beginn des Spiels mehr Geld als Männer und wenn sie über „Los“ ziehen erhalten sie 240 Dollar – die Männer jedoch nur 200 Dollar. Die Spieler kaufen auch keine Grundstücke wie im „normalen“ Monopoly, sondern sondern Erfindungen von Frauen wie WLAN, Solarheizungen oder den Kaffeefilter (1, 2). „Mit Ms. Monopoly werden sowohl wissenschaftliche Meilensteine als auch Dinge, die den Alltag ganz praktisch erleichtern, gewürdigt“ – so heißt es in einer Erklärung des Unternehmens (2). Auch das Design wurde geändert: statt des schnauzbärtigen, zylindertragenden Immobilieninvestors Mr. Monopoly sieht man jetzt eine junge Frau mit Kaffeebecher auf dem Cover (3).

Mit dem Spiel will der Hersteller auf den sog. „Gender-Gap“ hinweisen – die Tatsache, dass Frauen im Schnitt deutlich weniger verdienen als Männer. Das trifft zwar zu, hat aber nichts mit Benachteiligung oder Diskriminierung zu tun, sondern einfach damit, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und Berufe wählen, die schlechter bezahlt werden (Angebot und Nachfrage). Und so sollen in dem neuen Spiel Frauen die Vorteile, „die in der realen Welt häufig Männern vorbehalten sind“ (1).
Was dem Hersteller offensichtlich entgangen ist: erfunden wurde das frauenfeindliche Spiel mit den Grundstücken von einer Frau: Elizabeth Magie, die auf das Spiel unter dem Namen „The Landlord’s Game“ 1904 ein Patent (U.S. Patent Nr. 748.626) erhalten hat (4). Dieses verkaufte sie 1924 an die Parker-Brüder (5). Mit dem Spiel wollte die Erfinderin die sozialreformerischen Ideen des Ökonomen Henry George den Menschen spielerisch nahebringen: Einkünfte ohne Arbeit durch Grundbesitz schaffen Armut und Verelendung bei den mittellosen Mietern. An den „Gender-Gap“ dachte die Erfinderin dabei nicht.

Bleibt abzuwarten, ob andere Spielehersteller die Idee aufgreifen und ihre Spiele auch gendergerecht umgestalten. Bei vielen Spielen bedürfte es dazu nicht einmal größerer Veränderungen – es würden geringfügige Regelkorrekturen ausreichen. So könnte man bei vielen Kartenspielen Frauen einfach mehr Karten zuteilen als Männern, so dass sie eine größere Auswahl und damit höhere Gewinnchancen haben. Oder man gibt ihnen zusätzliche Joker oder Asse, um ihre Gewinnchancen zu erhöhen. Bei Würfelspielen könnte man für Frauen spezielle Würfel herstellen, die auf allen 6 Seiten eine „6“ zeigen, während Männer Würfel erhalten, die auf allen Seiten eine „1“ zeigen.

Noch einfacher wäre es beim Schach. Wenn dort Männer gegen Frauen antreten, würde es ausreichen, den männlichen Spielern weniger Figuren zuzuteilen als Frauen. Oder noch einfacher: Männer erhalten im Schachspiel keine Dame, dafür erhalten Frauen keinen König. Damit wären für Männer die Angriffsmöglichkeiten im Spiel deutlich reduziert, im Gegenzug müssten sich Spielerinnen nicht mehr dem Risiko eines frauendiskriminierenden Schachmatt aussetzen.

Und wenn die Spielehersteller nicht freiwillig für Chancengleichheit sorgen, könnte der Gesetzgeber eingreifen und alle Hersteller verpflichten, endlich nur noch gendergerechte Spiele auf den Markt zu bringen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.welt.de/vermischtes/article200092560/Gender-Gerechtigkeit-In-der-neuen-Monopoly-Version-werden-Frauen-bevorzugt.html
(2) https://www.spiegel.de/wirtschaft/ms-monopoly-neue-version-des-hasbro-brettspiels-bevorzugt-frauen-a-1286192.html
(3) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-09/gender-pay-gap-monopoly-frauen-version-geld
(4) Thomas Forsyth: Monopoly and Landlord’s Game. A Historical Review (Memento vom 29. Januar 2009 im Internet Archive), 2008
(5) badische-zeitung.de, 19. März 2015, Chris Melzer (dpa): Der Reichste gewinnt: Brettspiel Monopoly wird 80
(6) https://www.spiegel.de/karriere/bundeswehr-so-fit-muss-man-fuer-den-einstellungstest-sein-a-960602.html

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