Nigeria´s Problemspirale macht deutlich: Überbevölkerung zwingt jedes Land in die Knie

Guten Morgen liebe Hessen,

Die ZEIT berichtete kürzlich über den „schwersten Choleraausbruch seit Jahren“ in Nigeria, der deutlich mache, „wie schlecht es um Hygiene und Zugang zu Sanitäranlagen bestellt ist“. Cholera ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit, deren Erreger in der Regel über verunreinigtes Trinkwasser oder infizierte Nahrung übertragen wird. Unbehandelt endet die Krankheit bei bis zu 70 % tödlich. Der aktuelle Ausbruch ist der schwerste seit 2017 und zeigt die unzureichende Hygiene und das überforderte Gesundheitssystem des Landes. In Nigeria leben etwa 40 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (pro Tag weniger als 1,90 US-Dollar), wobei vor allem der Norden des Landes betroffen ist (1).

Ein besonderes Problem des Landes ist das Bevölkerungswachstum: Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1960 hat sich die Zahl der Einwohner fast verfünffacht – von 45 auf 215 Millionen. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um mehr als 5 Millionen Einwohner. Gerade in Ballungszentren begünstig die räumliche Enge die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Infrastruktur – wozu auch die Wasserversorgung zählt – kann mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten. Viele Häuser besitzen keinen Wasseranschluss, die Bewohner beschaffen sich das Wasser von Wasserverkäufern oder aus verunreinigten Brunnen. Nach Informationen des Kinderhilfswerks Unicef hatten 2019 nur 16 Prozent der Haushalte fließendes Wasser und Seife. Unzureichend sind auch die Toilettenanlagen. Viele Haushalte sind nicht an die Kanalisation angeschlossen und es fehlt an öffentlichen Toiletten. Der Sekretär der Rot-Kreuz-Gesellschaft in dem von Cholera besonders betroffenen Bundesstaat Bauchi – Rabi‘u Musa – beklagt, dass es „Koranschulen ohne Toiletten“ gibt, so dass bei Regen die Fäkalien ins Grundwasser sickern (1).

Dabei ist Nigeria aufgrund seiner Ölvorkommen eines der reichsten Länder Afrikas. Offensichtlich investiert die Regierung jedoch die Einnahmen und die Entwicklungshilfe weder in Bildung noch Infrastruktur. Bezeichnend ist, dass vor allem das Fehlen von Toiletten in Koranschulen bemängelt wird – von allgemeinbildenden Schulen ist keine Rede. Vermutlich gibt es dort auch keine Toiletten, aber das wird möglicherweise nicht als Mangel empfunden. Immerhin hat die ZEIT – ungewöhnlich genug – eine der Ursachen der Misere deutlich benannt: die Überbevölkerung, die gerade auf dem afrikanischen Kontinent ein zentrales Problem darstellt. Die Bevölkerung des Kontinents hat sich in den vergangenen 60 Jahren – also seit Ende der Kolonialzeit – etwa verfünffacht und wächst pro Woche um eine weitere Million. Damit wären selbst gut regierte und organisierte Staaten überfordert – umso mehr Staaten, die sich auch ohne Bevölkerungswachstum nicht selbst organisieren können.

Kritik an der Bevölkerungszunahme ist jedoch nicht erwünscht – und überhaupt nicht von den ehemaligen Kolonialherren. Und auch mit Entwicklungshilfe sollte man zurückhaltend sein. Denn bereits das Wort ist extrem rassistisch. Denn es unterstellt, dass es Staaten gibt, die 1. unterentwickelt sind und 2. nicht in der Lage sind, sich aus eigener Kraft zu enzwickeln. Besser wäre es vielleicht, die rassistische Entwicklungshilfe völlig einzustellen und allen Ländern die Gelegenheit zu geben, sich selbstbestimmt und eigenständig zu entwickeln.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/gesundheit/2021-09/cholera-ausbruch-nigeria-gesundheitssystem-wasserversorgung-impfung

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