Ob einzeln oder im „Zukunftsteam“, Laschet kann nicht Kanzler

Guten Morgen liebe Hessen,

Nach der Bundestagswahl 1969 kam es in der damaligen Hauptstadt Bonn zu einem historischen Machtwechsel. Nach 20 Jahren CDU-Herrschaft übernahm eine sozial-liberale Koalition unter dem Kanzler Willy Brandt. Vorausgegangen war ein Wahlkampf, bei dem die beiden großen Parteien (gab es damals noch) unterschiedliche Strategien verfolgten. Während die CDU ihren Wahlkampf ganz auf den damaligen Kanzler Kiesinger („Auf den Kanzler kommt es an“) ausrichtete, stellte die SPD die Mannschaft des Kanzlerkandidaten (die tatsächlich fast nur aus Männern bestand) in den Vordergrund. Welche dieser beiden Strategien – Kanzler oder Mannschaft – zum Erfolg führt, ist unklar. Aber ein Kandidat sollte sich frühzeitig auf eine dieser beiden Vorgehensweisen festlegen.

Armin Laschet hat das nicht getan. Bisher war er einfach nur Kanzlerkandidat und tourte mit seiner Ein-Mann-Show – mal als Büttenredner, mal als Pausenclown – durch die Lande und versuchte, die Gunst der Wähler zu gewinnen. Dass er damit nicht sonderlich erfolgreich war, konnte man jeden Tag in den Medien nachlesen. Während die CDU zu Beginn der Kampagne in den Umfragen noch bei über 30 Prozent rangierte, stürzte sie zuletzt auf 20 Prozent ab. Offensichtliche Ursache: der Kanzlerkandidat, der kein Fettnäpfchen ausließ und eine Peinlichkeit nach der anderen ablieferte. Drei Wochen vor der Wahl kam ihm dann die rettende Idee: die Präsentation eines Kompetenzteams. Armin Laschet ging dabei aber nicht nach dem Motto Kennedys („ein kluger Mann umgibt sich mit klügeren Männern“) vor, sondern hat sein Team vermutlich nach der Devise ausgesucht „Neben wem sehe ich noch kompetenter aus“. Was Laschet wohl nicht bedacht hat: mit dieser Vorgabe wird die Auswahl ziemlich beschränkt. Immerhin hat er es geschafft, ein Team aus weitgehend unbekannten Personen zusammenzustellen. Der einzig Bekannte im Team ist Friedrich Merz, den er aber vermutlich nicht freiwillig ausgewählt hat. Ansonsten besteht das „Zukunftsteam“ aus No-Names. Wie Laschet gerade auf diese Personen gekommen ist, bleibt sein Rätsel. Vielleicht hat er einfach der Reihe nach befreundete Kollegen angerufen und die Auserwählten waren gerade erreichbar. Immerhin ist es ihm gelungen, eine bunte Mischung zusammenzustellen nach dem Motto: breit und divers. Denn der Proporz zwischen Männern und Frauen ist gewahrt (4 zu 4) und es ist sogar jemand mit Migrationshintergrund dabei. Noch dazu einer, dem man es sofort ansieht (People of Colour). Der mag auf seinem Gebiet (Kultur) durchaus kompetent sein, wurde aber wohl eher wegen der Hautfarbe ausgewählt.

Ob das Zukunftsteam etwas an den Umfragen und am zu erwartenden Wahlergebnis ändern wird, bleibt abzuwarten. Sicher wird es nicht mehr gelingen, in weniger als drei Wochen den Wählern das Team und dessen mögliche Kompetenz nahezubringen. Und selbst wenn: die Zweifel an der Fähigkeit Laschets, die Funktion eines Bundeskanzlers wahrzunehmen, bleibt trotzdem. Dass Laschet Kanzler nicht kann, dürfte inzwischen jedem klar sein. Er kann ja nicht einmal Ministerpräsident – das hat er hinreichend bewiesen.

Was soll der Wähler mit diesem Team anfangen? Und vor allem: was soll das Team in einer von Laschet geführten Bundesregierung? Sind das die zukünftigen Minister? Legt der Kanzlerkandidat Wert darauf, sich nur mit Personen zu umgeben, die noch farbloser sind als er selbst? Wahrscheinlich weiß Laschet es selbst nicht. Bei der Vorstellung seines Teams musste er ablesen – wahrscheinlich kennt er selbst nicht einmal die Namen auswendig. Wo Laschet tatsächlich Weitblick bewiesen hat: er hat einen „Terrorismus-Experten“ in sein Team aufgenommen. Ob der kompetent ist, ist offen. Aber sicher ist eines: jede zukünftige Bundesregierung wird einen Terrorismus-Experten benötigen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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