OTTO-Versand gendert jetzt – aber man muss dort nicht bestellen

Guten Morgen liebe Hessen,

„Otto – find ich gut“ – das war früher ein Werbeslogan des Hamburger Versandhändlers. Der bemühte sich damals – wie alle Händler – neue Kunden zu gewinnen und alte Kunden zu halten. Das ist inzwischen vorbei. Vorrangiges Ziel des Unternehmens scheint es nicht mehr zu sein, Waren zu verkaufen und sich einen zufriedenen Kundenstamm zu sichern, sondern „Vielfalt, Toleranz und Chancengleichheit“ zu praktizieren. Und dazu gehört u.a. die „geschlechtersensible“ Sprache.

Die war nach dem Bekunden des Unternehmens bis zum Jahr 2019 „kein Thema“. Bis dahin gab es Kunden und Kundinnen, bis dem Vorstand auffiel, dass es auch Kunden geben könne, die sich weder als „Kunden“ noch als „Kundinnen“ ansprechen lassen möchten. Also hat man sich in der Geschäftsleitung „auf das sogenannte Gendersternchen geeinigt“, weil das „den Lesefluss am wenigsten beeinträchtigt“. Denn damit werden nicht nur Frauen und Männer angesprochen, sondern auch „alle anderen Geschlechter/Identitäten“. Denn – so der Bereichsvorstand Marc Opelt – „bei OTTO arbeiten Menschen jeglichen Alters, unterschiedlichster Herkunft, sexueller Identität und Menschen mit Behinderungen. Einen großen Teil der eigenen Identität verstecken zu müssen, beeinträchtigt immer noch viele Arbeitnehmer*innen. Eine diverse Arbeitskultur ist bereichernd und bringt viele Vorteile mit sich“ (1). Welche das sein sollen, verrät der Vorstand jedoch nicht. Vielleicht weiß er es selbst nicht. Und möglicherweise meint er es auch nicht unbedingt wörtlich, denn er belehrt uns: „Vielfalt hat viele Facetten, Gesichter und Geschichten – das steckt allein schon im Begriff. Vielfalt bei OTTO erleben Mitarbeiter*innen am unmittelbarsten in der täglichen Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen und im Kontakt mit Partnern, Lieferanten und Kund*innen“ (1). Partner*innen und Lieferant*innen erwähnt er nicht und grenzt sie damit bewusst aus.

Manchen Kunden und Kund*innen scheint das offene Bekenntnis zur Gendersprache missfallen zu haben, denn zahlreiche Kritiker meldeten sich in den Sozialen Medien zu Wort. So hatte Otto auf Twitter einen Podcast veröffentlicht und dabei „Kolleg*innen“ erwähnt. Ein Nutzer antwortete: „Wer gendert, kriegt keine Bestellung. So einfach ist das und Amazon freut sich“. Darauf antwortete das Versandhaus: „Stimmt, so einfach ist das: Wir gendern. Und du mußt nicht bei uns bestellen“ (2). Eine klare Ansage: wer mit der OTTO-Gendersprache nicht einverstanden ist, ist als Kunde dort unerwünscht. Ein Unternehmen, dessen Ziel nicht das Gewinnstreben, sondern „Vielfalt und Toleranz“ ist, kann sich das leisten. Denn die Mehrheit der Gesellschafteranteile an Otto (GmbH & Co. KG) wurden in eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts eingebracht und muss deshalb keine Gewinne erzielen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.otto.de/unternehmen/de/was-uns-bewegt/diversity

(2) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2021/otto-gendern-gendersprech/

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