Papst fordert Aufnahme von Flüchtlingen – Wie viele hat der Vatikan aufgenommen?

Guten Morgen liebe Hessen,

Vertreter der beiden christlichen Kirchen haben zu Weihnachten von der EU gefordert, private Organisationen bei der Aufnahme von Migranten aus dem Mittelmeer zu unterstützen. Europäische und deutsche Politiker seien verpflichtet, sich „für sichere Fluchtrouten und eine humane Flüchtlingspolitik“ einzusetzen. Die Kirchenvertreter fordern auf, die „Aktion Seebrücke“ zu unterstützen, die sich für „sichere Fluchtwege“ und eine „menschenwürdige Aufnahme der Menschen“ einsetzt – nach der Devise: „Weg von Abschiebung und Abschottung und hin zu Bewegungsfreiheit für alle Menschen“ (1).

Dazu passt die Botschaft des Heiligen Vaters zu Weihnachten. Einen besonderen Schwerpunkt seiner weihnachtlichen Ansprache bildete die Flüchtlingsproblematik. Franziskus hat dabei vor allem die Abschottungspolitik der reichen Länder gegenüber Flüchtlingen angeprangert. Dabei erinnerte er an das Leid derer, die aus Not ihre Heimatländer verließen: „Es ist die Ungerechtigkeit, die sie dazu zwingt, Wüsten und Meere, die zu Friedhöfen werden, zu überqueren. Es ist die Ungerechtigkeit, die sie dazu zwingt, unsagbare Misshandlungen, Knechtschaft jeder Art und Folter in den unmenschlichen Auffanglagern zu ertragen. Es ist die Ungerechtigkeit, die sie abweist von Orten, wo sie eine Hoffnung auf ein würdiges Leben haben könnten und die sie auf Mauern der Gleichgültigkeit stoßen lässt“, so der Papst (2, 3).

Der Papst meinte damit die Politik vieler Staaten, die nur ungern – oder überhaupt keine – Flüchtlinge aufnehmen. Was ihm bei seiner Ansprache möglicherweise nicht bewusst war: der Papst ist selbst Oberhaupt eines Staates. Und nicht nur das – er ist sogar (der weltweit letzte) absolutistische Herrscher eines Staates. Dies bedeutet: er kann als Staatsoberhaupt alleine und in eigener Machtvollkommenheit Entscheidungen treffen, ohne irgendwelche Gremien fragen zu müssen oder gar in einem Parlament eine Mehrheit zu organisieren. Und so könnte er in seiner Eigenschaft als Staatschef in seinem eigenen Land – dem Vatikanstaat – die von ihm kritisierte Abschottungspolitik beenden und Flüchtlinge aufnehmen. Sicher nicht die vielen Millionen, die auf der Flucht sind – aber einige Tausend schon. Platz ist genug da – und Geld auch. Damit könnte er sich an die Spitze der Bewegung setzen und allen anderen Ländern ein Beispiel geben.

Macht er aber nicht. Und er weiß sicher auch, warum. Genau wie alle anderen Kirchenoberen, die zwar von anderen die Aufnahme von Flüchtlingen fordern, sich aber selbst zurückhalten. Nie käme etwa ein Bischof – z.B. Kardinal Marx aus München oder sein Kölner Kollege Woelki – auf den Gedanken, Fremde in der eigenen bischöflichen Residenz aufzunehmen. Und sie haben auch gute Gründe dafür. Wahrscheinlich hat sich Kardinal Marx überlegt, wie es aussehen würde, wenn er eine muslimische Großfamilie in seiner Residenz aufnehmen würde. Dass diese von ihm das Entfernen christlicher Symbole – etwa eines Kreuzes – aus der Wohnung verlangen würden, wäre für ihn wohl kein Problem. Aber der Verzicht auf Schweinebraten, Wein und Bier schon eher. Und auch der Gedanke, bei Sonnenaufgang durch den Ruf des Muezzins geweckt zu werden, dürfte dem Kirchenoberen eher fremd sein.

Dabei wäre er nicht einmal der erste deutsche Bischof, der Flüchtlinge in seiner Residenz wohnen lässt. Der vormalige Limburger Bischof Franz Kamphaus siedelte selbst in eine bescheidene Wohnung im Priesterseminar und überließ das Bischofshaus einer Flüchtlingsfamilie. Aber das liegt über 30 Jahre zurück (4).

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2019/jedes-leben-zaehlt-koelner-kirchen-verlangen-seenotrettung-von-eu/
(2) https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/462495/2-3
(3) https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Papst-Franziskus-ruft-zu-selbstloser-Mitmenschlichkeit-auf/-/id=47428/did=5321700/jlgg9p/index.html
(4) https://www.fnp.de/lokales/limburg-weilburg/limburg-ort511172/hessen-limburg-ehemalige-bischof-franz-kamphaus-sieht-katholische-kirche-krise-11783333.html

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