Politik forciert „wachsende Stadt“, Schattenseiten dabei Nebensache

Guten
Morgen liebe Hessen,

Die
Stadt Frankfurt hatte vor 20 Jahren 620.000 Einwohner – heute sind es 750.000.
Die verantwortlichen Politiker reden seither über die „wachsende Stadt“ und
meinen damit, dass die Anzahl der Wohnbevölkerung zunimmt. Tatsächlich
verzeichnete die Stadt seit der Jahrtausendwende eine kontinuierliche Zunahme
der Bevölkerung, nur während der Corona-Pandemie war sie zwischenzeitlich etwas
rückläufig. Für viele Grund genug, um in Panik zu verfallen. Denn die Zunahme –
also der „Wachstumskurs“ – wurde einhellig von fast allen Stadtpolitikern begrüßt.
Denn Wachstum wird allgemein – und völlig unkritisch – als positiv angesehen.

Dabei
ist es natürlich Unsinn, dass die Stadt wächst – im Gegenteil. Die Stadt
Frankfurt hat eine Fläche von etwa 250 qkm – und das seit der letzten
Eingemeindung 1977. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Stadt wächst.
Die Fläche bleibt gleich. Wenn aber die Anzahl der Wohnbevölkerung zunimmt,
konkurrieren zwangsläufig mehr Akteure um die begrenzten Flächen. Jeder, der in
die Stadt zieht, möchte dort auch wohnen und beansprucht eine entsprechende
Fläche für sich. Damit aber nicht genug. Denn er möchte seine Freizeit
gestalten – z.B. indem er Sport treibt, spazieren geht oder mit dem Rad fährt,
ein Museum oder ein Theater besucht. Im Sommer möchte er ins Schwimmbad, im
Park sein Picknick nehmen oder einfach am Mainufer sitzen und den Schiffen
zuschauen. Und natürlich will er, dass seine Kinder die Kita und die Schule
besuchen können. Und um von seiner Wohnung zur Arbeit oder Freizeit zu
gelangen, muss er Verkehrswege und Verkehrsmittel nutzen, die Raum für sich
beanspruchen. Fazit: je mehr Einwohner um die begrenzten Flächen konkurrieren,
desto schwieriger wird die Planung und desto enger und ungemütlicher wird es
für jeden Einzelnen.

Inzwischen
finden Investoren kaum noch freie Flächen für Wohnungen und konkurrieren dort
mit anderen Nutzungsarten: Gewerbe, Kleingärten, Grünflächen, Sportflächen,
Schulen und vieles mehr. Eine Folge dieser Konkurrenz ist der Anstieg der
Grundstückspreise. So kostet z.B. ein einziger Quadratmeter in der Frankfurter Innenstadt
inzwischen bis zu 45.000 Euro.

Dennoch
halten die verantwortlichen Politiker an ihrem Ziel der „wachsenden Stadt“ fest
und feiern jeden neuen Bevölkerungsrekord: 700.000 und 750.000, demnächst
vielleicht 800.000 oder 1 Million. Dass eigentlich niemand einen Nutzen davon
hat, stört dabei nicht.

Ihr
Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

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