Politische Prioritäten in Frankfurt: Arbeitskreis gegen alltäglichen Rassismus in Amtsstuben

Guten Morgen liebe Hessen,

Früher in den dumpfen fünfziger und sechziger Jahren musste eine Verwaltung effektiv und unbestechlich sein. Das ist lange vorbei. Ob eine Verwaltung die ihr übertragenen Aufgaben gut erledigt oder nicht, ist nicht mehr so wichtig. Qualitätskriterien sind heute Buntheit, Vielfalt und interkulturelle Kompetenz. Und natürlich Antirassismus. So ist es jedenfalls in Frankfurt. Dort wurde jetzt ein „ämterübergreifender Arbeitskreis“ gegründet, der die „interkulturelle Akzeptanz und Toleranz“ fördern soll. Denn der „alltägliche Rassismus in Amtsstuben“ soll nicht länger geduldet werden. Im Rahmen der Kampagne „AnStadt Intoleranz“ hatte der Gesamtpersonalrat der Stadt bereits in der Vergangenheit viele Veranstaltungen und Workshops für Verwaltungsmitarbeiter organisiert. Aus diesen Erfahrungen soll jetzt ein Konfliktmanagementsystem entwickelt und eingeführt werden, mit dem auch die interkulturelle Öffnung und die Führungskräfteentwicklung gefördert werden soll (1).

Dabei soll die interkulturelle Orientierung der Stadtverwaltung als stadtweites Leitbild sowie Leitlinien zum Umgang mit Diversität auf allen Verwaltungsebenen der Stadtverwaltung weiterentwickelt werden. Ergänzt werden die Initiativen durch die im Herbst letzten Jahres eingerichtete „Koordinierungsstelle Anti-Rassismus“, die die Beratungs-, Präventions- und Interventionsprogramme zusammenführen sowie Antirassismus-Arbeit und Opferberatung in Frankfurt vernetzen soll (1).

Ziel der ganzen Aktivitäten ist es, „den Anteil der Migrantinnen und Migranten in der Stadtverwaltung zu erhöhen“, da diese in der Verwaltung aufgrund von Benachteiligungen unterrepräsentiert seien. Die Stadtverwaltung soll „die Vielfalt und Internationalität der städtischen Gesellschaft repräsentieren“. Zur Realisierung dieses Ziels ist die „interkulturelle Kompetenz“ bereits seit langem ein Anliegen der schwarz-rot-grünen Stadtregierung. Denn schon seit Jahren erwartet die Stadt von allen neu eintretenden Mitarbeitern als Qualifikationskriterium „Interkulturelle Kompetenz“. Die Stadt erwartet von ihren Mitarbeitern – neben der erforderlichen fachlichen Qualifikation – auch mehr Wissen über andere Kulturen. Diese „interkulturelle Kompetenz“ rangiert dabei als zusätzliches Kriterium das Beurteilungsverfahren gleichrangig neben der fachlichen Qualifikation. Nach den Worten des zuständigen Personaldezernenten geht es bei dem Begriff „interkulturelle Kompetenz“ dabei um einen „wertschätzend-akzeptierend und gleichzeitig konstruktiven“ Umgang mit dem Gegenüber, wobei eigene Vorurteile keine Rolle spielen dürften. Kulturelle Unterschiede müssten dabei „als gleichwertig anerkannt“ werden (2).

Übersetzt bedeutet dies: „dass man als Mitarbeiter der Frankfurter Verwaltung einer Kopftuchträgerin ablehnend gegenübersteht, ist ein Durchfallkriterium. Dass man ihr zumindest nicht ablehnend gegenübersteht, eine Minimalanforderung. Zu wissen, wie man dieses Kopftuch nennt und warum es getragen wird, würde schon Punkte auf der interkulturellen Kompetenz-Skala bringen. Und dann gegebenenfalls noch zu reflektieren, dass man als Mann dieser Frau vielleicht nicht die Hand geben sollte, ohne darüber empört zu sein, das dürfte schon ein paar Pluspunkte einbringen“ (2). Da kann man sich leicht vorstellen, womit der Bewerber die maximale Punktzahl erreichen kann: mit dem Wissen und Verständnis dafür, dass in anderen Kulturen Ehebrecherinnen gesteinigt und Homosexuelle an Baukränen aufgehängt werden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/468597/8-9
(2) https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/frankfurt-bunte-verwaltung-erwuenscht-14597032.html

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren