Prioritäten auch in Corona-Zeiten: Stadt Kassel ächtet rassistisches Wort

Guten Morgen liebe Hessen,

Endlich mal eine positive Nachricht aus Kassel: „Stadt Kassel ächtet rassistisches Wort“ vermeldete kürzlich die Frankfurter Rundschau. Die Stadtverordnetenversammlung Kassels stimmte dem Antrag von „Side by Side“ und des Ausländerbeirats zu. Als vierte Kommune hat sie damit – nach Heidelberg, Köln und Bocholt – jegliche Verwendung des N-Worts (gemeint ist „Neger“) als rassistisch anerkannt (1). Für die nicht Informierten: „Side by Side“ ist eine Selbsthilfegruppe, die sich an „Afrodeutsche und Schwarze Menschen“ richtet, damit diese sich „regelmäßig treffen, austauschen und gegenseitig empowern“ können. Innerhalb dieser Gruppe möchten sie „einen Safer Space schaffen“, wobei sie sich mit Themen wie „Umgang mit (Alltags‐) Rassismus“ befassen (2).

Begründet wurde der Antrag damit, dass „das N-Wort von vielen schwarzen Menschen und People of Colour (PoC) mit Leid, Diskriminierung, Gewalt, Ungleichheit und Entmenschlichung verbunden sei“. Denn „seit 2015 haben die Vereinten Nationen die Dekade afrikanischer Abstammung ausgerufen. Damit erkennt die internationale Gemeinschaft an, dass Menschen afrikanischer Abstammung eine eigenständige Gruppe darstellen, deren Menschenrechte gefördert und geschützt werden müssen“. Eine der Mitbegründerinnen von „Side by Side“ führte aus, wie verletzend das N-Wort für die Betroffenen ist: „Schwarze Menschen werden alltäglich mit dem N-Wort beschimpft. Es hinterlässt psychologische Narben, die Ängste und Alpträume verursachen. Sie fühlen sich zutiefst verletzt, weil sie das Opfer rassistischer Unterdrückung geworden sind.“ Das N-Wort sei „immer und in jedem Kontext verletzend und herabwürdigend“ (1).

Das N-Wort kommt aus dem lateinischen („niger“ = schwarz) und findet sich in ähnlicher Form in zahlreichen anderen Sprachen, z.B. im französischen („nègre“) oder im spanischen („negro“). Der Begriff beschreibt nur die Hautfarbe – konkret schwarz oder dunkel – und ist damit völlig neutral und wertfrei. Der Begriff wurde im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache eingeführt und diente einfach nur dazu, hellhäutige Europäer von dunkelhäutigen Personen – meist afrikanischer Abstammung – zu differenzieren. Da dunkelhäutige Personen seinerzeit häufig Sklaven oder Bewohner von Kolonialgebieten waren, wird der Begriff von Kritikern mit Kolonialismus und Sklaverei in Zusammenhang gebracht und als abwertend und als rassistisch diskriminierend betrachtet (1).

Die angestrebte Vermeidung des N-Wortes löst jedoch kein einziges Problem, das dunkelhäutige Personen in einer Mehrheitsgesellschaft aus hellhäutigen Personen häufig haben. Sie werden auch nach mehreren Generationen und trotz möglicherweise gelungener Integration alleine aufgrund des Aussehens als fremd empfunden. Das ist im umgekehrten Fall – hellhäutige Person in dunkelhäutiger Gesellschaft oder Europäer in Asien – aber auch der Fall und liegt in der Natur des Menschen. Und vielfach neigen als fremd empfundene Personen – und vor allem PoC – dazu, negative Erfahrungen auf ihre Hautfarbe zurückzuführen. Wenn ein PoC eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle, für die er sich beworben hat, nicht erhält, oder auch nur in eine Polizeikontrolle gerät, wird dies von den Betroffenen nicht selten als rassistische Diskriminierung empfunden. Das mag im Einzelfall auch zutreffen, in der Mehrzahl der Fälle aber wohl nicht.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/467814/56-

(2) https://www.kassel.de/verzeichnisse/adressverzeichnis/selbsthilfegruppen/besondere-lebenslagen/side-by-side.php

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