QUOTEN-FANATISMUS AUS BRÜSSEL: Statt einfacher Zusammenhänge nur Blick für angebliche Diskriminierung

Guten Morgen liebe Hessen,

Alljährlich im Frühjahr – meist in zeitlicher Nähe zum Weltfrauentag am 8. März – wird der „equal pay day“ begangen. Es ist derjenige Tag, bis zu dem Frauen in jedem Jahr angeblich ohne Entlohnung arbeiten. Erst ab diesem Datum erhalten sie dann eine angemessene Bezahlung. Rechnerisch stellt es die sog. „Lohnlücke“ zwischen Männern und Frauen dar, da Männer im Durchschnitt mehr verdienen als Frauen. Dieser Zustand wird von vielen beklagt und als ungerecht empfunden – so auch von der Kanzlerin. Sie tritt für umfassende Parität und gleichen Lohn für Frauen und Männer ein: „Frauen müssen endlich so viel verdienen können wie Männer“ (1). Die Kanzlerin muss es wissen. Sie verdient nach den gesetzlichen Bestimmungen 1,667 des Gehalts der Beamten-Besoldungsstufe B11 zuzüglich verschiedener Zulagen und der anteiligen Abgeordnetenentschädigung. Was die Kanzlerin vielleicht nicht weiß: das Gesetz differenziert nicht nach Geschlecht, sie verdient genauso viel wie ihre Amtsvorgänger (bzw. sogar mehr).

Die Lohnlücke gibt es aber tatsächlich. Das mittlere Entgelt bei Frauen in Vollzeit lag zuletzt bei 3.117 Euro brutto im Monat, bei Männern waren es 3.560 Euro. Männer verdienen tatsächlich mehr als Frauen. Das sagt jedoch nicht über die Ursache dieser Ungleichheit aus. Die vielfach gezogene Schlussfolgerung, die Ungleichheit sei eine Folge unzulässiger Geschlechter-Diskriminierung ist jedenfalls falsch. Das wird bereits darin deutlich, dass es für viele Bereiche Tarifverträge gibt, die ein bestimmtes Gehalt nach der ausgeübten Tätigkeit und der Berufserfahrung festlegen. Und über die Tätigkeit bzw. die Berufswahl jeder selbst. Und da gibt es naturgemäß Tätigkeiten, die geringer bezahlt werden du solche, die besser bezahlt werden. Darüber entscheiden viele Faktoren, u.a. der Aufwand, einen bestimmten Beruf zu erlernen und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Und deshalb werden hochqualifizierte Spezialisten besser bezahlt als einfache Hilfskräfte, insbesondere dann, wenn es eine große Nachfrage, aber nur ein geringes Angebot gibt. Frauen entscheiden sich häufiger für geringer bezahlte Berufe und für solche, in denen das Angebot groß ist. Das hat jedoch nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern ist Folge der freien Berufswahl.

Trotz dieser einfachen Zusammenhänge plant die EU eine neue Regelung, nach der alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern einmal pro Jahr veröffentlichen müssen, wie viel Männer bzw. Frauen im Unternehmen verdienen. Falls sich dabei ein Unterschied von mehr als 5 Prozent zeigt, soll das Unternehmen dann die Gründe analysieren und „Schritte vorschlagen, dies zu ändern“. Zudem soll Arbeitnehmerinnen ein Anspruch auf Schadenersatz zustehen, wenn sie schlechter bezahlt werden als Männer. Die Beweislast für die Rechtfertigung einer ungleichen Bezahlung liegt dabei natürlich beim Unternehmen (2). Man kann sich vorstellen, welche „Schritte“ kreative Unternehmen vorschlagen werden, um die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen zu ändern. An erster Stelle dürfte dies die Abschaffung der freien Berufswahl sein. Dann dürfen Frauen den Beruf der Kindergärtnerin, Grundschullehrerin oder Hebamme nur dann ergreifen, wenn sich mindestens genauso viele Männer für eine entsprechende Ausbildung beworben haben. Und es werden nur so viele Männer zum Ingenieur-Studium zugelassen, wie sich Frauen beworben haben. Und natürlich werden auch bei der Müllabfuhr nur so viele männliche Bewerber eingestellt wie Frauen. Dann wird die Tonne eben nur einmal im Jahr geleert – aber dafür fällt der equal pay day dann immer auf den 1. Januar.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper.fnp.de/webreader-v3/index.html#/468127/2-3

(2) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/466523/17

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