Rassismus in Reinstform ? Darstellung eines Dunkelhäutigen als Dunkelhäutigen wie im Coburger Stadtwappen

Guten Morgen liebe Hessen,

Endlich ist es jemandem aufgefallen. Seit hunderten von Jahren ziert ein „schwarzer Mohrenkopf mit goldenem Ohrring“ das Wappen der Stadt Coburg, ehemals Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha. Und der Mohr ist kein Unbekannter, vielmehr der Stadtpatron Mauritius, seit der Frühzeit des Christentums als Schutzheiliger verehrt (1). Und das Wappen ist bis heute im Stadtbild allgegenwärtig: an Kirchen, Häuserwänden und auf Gullideckeln. Hunderte Jahre hat das niemanden gestört, obwohl alle Coburger den Mohren tagtäglich sehen. Niemanden? Nicht ganz: 1934 erregte der Mohr schon einmal das Missfallen einiger Herren in der Stadtregierung. Die ersetzten ihn dann durch ein Schwert mit Hakenkreuz im Knauf (1). Aber gut 10 Jahre später kehrte man dann doch wieder – auf Betreiben der US-Besatzer – zum Mohren zurück. Jedenfalls bis heute.

Denn jetzt gibt es wieder Bestrebungen, den Mohren zu entfernen. Zwei Frauen – Juliane Reuther und Alisha Archie – fordern in einer Petition die Änderung des rassistischen Stadtwappens, das – so die beiden Antragstellerinnen – auf „rassistischen und kolonialistischen Stereoptypen basiert“. Was das genau sein soll, wird nicht erläutert. Wahrscheinlich einfach die Darstellung einer dunkelhäutigen Person als dunkelhäutige Person – also Rassismus in Reinstform. Das wird auch deutlich an dem Wort N****. Das kommt aus dem Lateinischen „niger“ und bedeutet einfach nur „schwarz“. Besonders bedenklich ist, dass diese rassistische Darstellung über mehrere Jahrhunderte niemandem aufgefallen ist. Obwohl der Mohr im Stadtbild allgegenwärtig ist, hat sich über diesen langen Zeitraum niemand daran gestört. Einen besseren Beweis für den tiefsitzenden Alltagsrassismus einer ganzen Bevölkerung gibt es wohl kaum.

Aber damit hat es jetzt – hoffentlich – ein Ende. Wahrscheinlich wird in Kürze das Wappen der Stadt Coburg antirassistisch geändert. Dann müssen natürlich auch alle bestehenden Darstellungen des Wappens angepasst werden, d.h. an Kirchen, Gebäuden etc. entsprechende Änderungen vorgenommen und selbstverständlich sämtliche Kanaldeckel der Stadt ausgetauscht werden. Damit ist die Arbeit aber keineswegs beendet. Denn das Stadtwappen kann nur der erste Schritt sein. Als nächstes sind die Mohren-Apotheken und Mohren-Hotels dran. Und anschließend alle Bürger mit rassistischem Namen: also in jedem Fall Mohr und Neger – aber auch Schwarz. Überhaupt alles, was von einer Person mit abweichender Hautfarbe oder Aussehen als rassistisch empfunden werden könnte.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) Eintrag zum Wappen von Coburg in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
(2) https://ze.tt/coburger-mohr-zwei-frauen-fordern-in-einer-petition-die-aenderung-eines-rassistischen-stadtwappens/

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