Rassistischer Nobelpreis? Nobelpreisträger erneut alte, weiße Männer

Guten Morgen liebe Hessen,

In dieser Woche war es wieder soweit. Das schwedische Nobelpreis-Komitee gab die diesjährigen Preisträger der Kategorien Chemie, Physik und Medizin bekannt. Und wie immer keine Überraschung: die Preisträger sind alte weiße Männer aus den USA, Japan, Deutschland und Italien. Wie seit 120 Jahren. Von den bisher etwa 700 Preisträgern der Kategorien Chemie, Physik, Medizin und Wirtschaft sind nur 3 Prozent Frauen, 0,3 Prozent Muslime und kein einziger Schwarzafrikaner. Immerhin war ein muslimischer Wissenschaftler dieses Jahr im Gespräch für den Medizin-Preis: Uğur Şahin, BioNTech-Gründer und Entwickler eines Corona-Impfstoffes. Jedoch hatte sich ein weltweites Netzwerk von Hilfsorganisationen gegen die Auszeichnung Şahins ausgesprochen. Sie erkannten zwar dessen wissenschaftliche Leistung als „außergewöhnlich“ an, kritisierten jedoch, dass sich dessen Unternehmen weigere, „das erfolgreiche Impfstoffrezept mit Herstellern in den Entwicklungsländern zu teilen“ (1).

Die Gründe für die offensichtliche Diskriminierung bestimmter Gruppen bei der Preisvergabe sind offensichtlich. Denn Alfred Nobel hatte die genannten Kategorien – Chemie, Physik und Medizin – explizit in seinem Testament genannt und damit gezielt rassistische Disziplinen ausgewählt, in denen sich die vermeintliche „weiße Überlegenheit“ zeigt. Die Behörden des US-Bundesstaates Oregon haben das bereits erkannt und die Lehrer angewiesen, eine „antirassistische Mathematikpraxis“ zu entwickeln. Dazu sollen sie sich von angeblich überkommenen Vorstellungen verabschieden, wonach es „neutrale Antworten“ gebe, die „ein Charakterzug weißer Überlegenheit“ seien. In der „antirassistischen Mathematik“ sollen mindestens zwei Antworten als richtig gelten – auch wenn bisher nur eine einzige als zutreffend angesehen wurde. Profitieren sollen von den neuen Richtlinien schwarze, lateinamerikanische und mehrsprachige Schüler, die bislang als benachteiligt galten. (2).

Und so wird es endlich Zeit, dass die zutiefst rassistische Praxis der Nobelpreis-Vergabe geändert wird. Dazu bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Die einfacherere wäre die Einführung einer verbindlichen Quote für die Preisvergabe: z.B. 50 Prozent der Preise für Frauen, jeweils 20 Prozent für Muslime und People of Colour und 10 Prozent für Angehörige der LGBTQ-Community. Da käme es bei der Preiszuteilung weniger auf die wissenschaftliche Leistung an als vielmehr auf die Zueghörigkeit zu einer diskriminierten Minderheit. Und auch die alljährliche Preisverleihung am Todestags Nobels würde vermutlich deutlich bunter und vielfältiger ausfallen.

Eine andere Möglichkeit wäre die Einführung weiterer Kategorien, mit denen die bisher benachteiligten Gruppen angemessen berücksichtigt würden: etwa Islam- oder Voodoo-Wissenschaften oder gendergerechte Sprachforschung. Da hätten japanische oder amerikanische Wissenschaftler keine Chance und die üblichen alten weißen Männer würden im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen und bei der Preisvergabe leer ausgehen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/gesundheit/news/entscheidung-am-montag-aktivisten-fordern-keinen-medizin-nobelpreis-fuer-biontech_id_24300900.html

(2) https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2021/leitfaden-us-lehrer-sollen-rassismus-in-der-mathematik-bekaempfen/

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