RESTAURANTBESITZER „ZUM MOHRENKOPF“: Unerwartete Hürde für antirassistische Wortänderungsfanatiker

Guten Morgen liebe Hessen,

Seit einiger Zeit stellen linke Aktivisten Forderungen, Straßen, Einrichtungen und Institutionen umzubenennen, weil deren Bezeichnung angeblich rassistisch sind. So gibt es schon seit geraumer Zeit keine Mohrenköpfe oder Negerküsse zu kaufen und auch den Sarotti-Mohren sucht man vergeblich im Süßwaren-Regal des Supermarktes. Das Hotel zu den „drei Mohren“ in Augsburg wurde kürzlich umbenannt, weil der Betreiber vermutlich befürchtete, dass ansonsten linke Aktivisten ihm die Wände beschmieren und die Fensterscheiben einwerfen würden. Nur die zahlreichen Mohren-Apotheker wehren sich bislang noch erfolgreich gegen eine Umbenennung – die meisten wahrscheinlich deshalb, weil die Umbenennung einer Apotheke mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden ist. Umbenannt wurden aber inzwischen einige der vielen Mohrenstraßen und natürlich auch die U-Bahn-Station „Mohrenstraße“ in Berlin.

Und dann gibt es noch das Restaurant „Zum Mohrenkopf“ in Kiel. Eigentlich wäre es für die Umbenennungs-Aktivisten ein Leichtes, den Betreiber dazu zu motivieren, sein Lokal umzubenennen. Aber die stoßen unerwartet auf eine unüberwindliche Hürde: der Restaurantbesitzer gehört nicht zu dem Rassismus-verdächtigen Personenkreis. Mehr noch: er kann per definitionem kein Rassist sein, denn er heißt Andrew Onuegbu und ist selbst ein „Mohr“. Und er bezeichnet sich auch so: „Ich bin als Mohr auf die Welt gekommen und stolz darauf“. Er kam vor 47 Jahren im nigerianischen Biafra zur Welt und kam 1992 nach Deutschland. Dort eröffnete er ein Restaurant und nannte es nach sich selbst: „Zum Mohrenkopf“. Eine originelle Bezeichnung, bei der sicher auch der Wunsch eine Rolle spielte, sich von den vielen anderen Restaurants mit den üblichen Bezeichnungen „Zum Schwan“, „Zum Anker“ oder „Pizzeria Napoli“ abzugrenzen. Aber eben auch zutreffend, weil der Wirt tatsächlich ein Schwarzer ist. Und für ihn ist der Begriff „Mohr“ keinesfalls rassistisch behaftet – im Gegenteil: „Der Mohrenkopf war im Mittelalter eine Auszeichnung für gutes Essen“ (1).

Und so ist es auch auf seiner Homepage zu lesen: „Der Mohrenkopf wies im Mittelalter diejenigen Häuser aus, die als Fürstenherberge dienten. Außerdem galt er als besonderes Zeichen für eine hervorragende Küche und eine zuvorkommende Bewirtung“. Und diese Tradition möchte Onuegbu wieder aufnehmen (2). Und deshalb möchte er sein Lokal auf keinen Fall umbenennen. Die derzeitige Namensdebatte um den „Mohren“ hält er für überflüssig. Und er empfiehlt dunkelhäutigen Personen, nicht die Opferrolle einzunehmen und überall Diskriminierung und Benachteiligung zu befürchten. Und auch für seine weißen Mitmenschen hat er einen guten Rat: „Ich möchte als Schwarzer nicht erklärt bekommen, wann meine Gefühle verletzt werden. Das ist auch eine Form von Rassismus“ (2).

Besser hätte man es nicht formulieren können.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.rnd.de/panorama/kieler-restaurant-zum-mohrenkopf-warum-ein-schwarzer-gastronom-sein-lokal-nicht-umbennen-will-IP4ZSRMOHFCCXLAFCPNBBZWCGY.html
(2) http://zum-mohrenkopf.de/

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