Rücksichtlose Rumänen bedrängen Postboten: Post verweigert Zustellung in Problemvierteln

Guten Morgen liebe Hessen,

Fast alle Berufe haben ihr spezifisches Berufsrisiko. Dachdecker und Schornsteinfeger können vom Dach abstürzen, Hochseefischer über Bord gehen und ertrinken und Fahrradkuriere unter einen Lastwagen geraten. Für Briefträger – heute allgemein als Zusteller bezeichnet – gilt der Hundebiss als klassisches Berufsrisiko, wie man zahlreichen Cartoons entnehmen kann. Zumindest war es früher so. Heute dürfte das ausgesprochen selten sein, da sich Briefkästen nicht mehr im unmittelbaren Zugriffsbereich der Hunde befinden. Dafür gibt es jetzt offensichtlich ein neues Zusteller-spezifisches Risiko: die Corona-Infektion durch „distanzloses Verhalten“ von Bewohnern. Das gilt aber nicht generell, sondern nur in „Problem-Straßen“ – wie etwa im Duisburger Stadtviertel Friemersheim (1).

Die für dieses Viertel zuständigen Postmitarbeiter hatten sich in der Vergangenheit „durch zu wenig Corona-Abstand vieler Anwohner bedrängt und durch fehlende Masken in ihrer Sicherheit gefährdet gefühlt“ – so die Deutsche Post. Die Situation für Zusteller sei durch das „distanzloses Verhalten“ zahlreicher Anwohner nicht mehr tolerabel gewesen, da diese weder Masken getragen hätten noch die Sicherheitsabstände einhalten würden. Die Zusteller seien in einer bestimmten Sackgasse im Duisburger Stadtteil Rheinhausen immer wieder von den Anwohnern umringt und bedrängt worden. Dabei sei es vereinzelt auch zu „verbal aggressiv aufgeladenen Situationen gekommen“. Daher hatte das Unternehmen zum Schutz ihrer Mitarbeiter entschieden, in der betreffenden Straße keine Sendungen mehr in die Hausbriefkästen zuzustellen. Die Bewohner könnten ihre Briefe und Sendungen seit einigen Wochen in einer benachbarten Filiale abholen (1).

Eine Sprecherin der Stadt bestätigte Beschwerden der Post: „Es gab eine Eingabe seitens der Post Ende vergangenen Jahres wegen Zustellproblemen vor allem bei der rumänischen Community“. Dabei sei es zu „Kommunikationsmissverständnissen“ gekommen. Im vergangenen Jahr habe es daher Versuche gegeben, „mithilfe von Dolmetschern und Streetworkern in dem Viertel für mehr Sicherheit und die Einhaltung der Schutzmaßnahmen gegen Corona zu werben“. Diese seien aber weitgehend erfolglos geblieben (2).

Soweit die Presseberichte. Der Leser würde an dieser Stelle vielleicht etwas mehr erfahren, z.B. über die Bewohner und deren Beweggründe, sich nicht an die Corona-Regeln zu halten und den Zustellern aggressiv gegenüberzutreten. Immerhin gibt es den Hinweis auf eine „rumänische Community“ und die erfolglose Intervention von Dolmetschern und Streetworkern. Da tauchen vor dem geistigen Auge des Lesers Mitglieder von Großfamilien auf, die vielleicht eine grundsätzliche Abneigung gegen uniformierte Vertreter des Staates haben oder die Zusteller dafür verantwortlich machen, dass sie die Überbringer schlechter Nachrichten sind – wie etwa eines ablehnenden Bescheids einer Behörde oder der amtlichen Mitteilung, dass man nicht den geforderten Betrag vom Sozialamt erhält, sondern nur einen geringeren. Aber darüber erfährt der Leser nichts, denn mit einem detaillierten Bericht könnten Vorurteile gegen Minderheiten geschürt oder – schlimmer noch – Rechtspopulisten in die Hände gespielt werden.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-aktuell/duisburg-aus-angst-vor-corona-hier-stellt-die-post-keine-briefe-mehr-zu-76253768.bild.html
(2) https://www.focus.de/panorama/welt/angst-vor-infektion-distanzloses-verhalten-der-anwohner-post-stellt-in-duisburger-sackgasse-nicht-direkt-zu_id_13252291.html

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