Schulbuchverlag entschuldigt sich, weil er muslimische Kinderehen thematisierte

Guten Morgen liebe Hessen,

Rassismus ist überall – jedenfalls erhält man diesen Eindruck, wenn man an einem beliebigen Tag die Zeitung liest oder ins TV schaut. Der „Alltagsrassismus“ durchdringt jede Pore unseres Daseins und beginnt bereits im Kindesalter. Denn schon die Kinder- und Schulbücher sind voll davon. Erst kürzlich sorgte eine Schule für bundesweites Aufsehen mit einer hypothetischen Aufgabe aus einem Schulbuch, in der ein türkischer Vater seine Tochter zwangsweise verheiratete. Natürlich zwingt nicht jeder türkische Vater seine Tochter in eine Ehe mit einem von ihm ausgesuchten Partner, aber Zwangsehen kommen in bestimmten Kulturkreisen häufig und in anderen selten bis nie vor. Diesen Missstand leugnet zwar niemand, er darf aber nicht thematisiert werden. Die nordrhein-westfälische Integrations-Staatsekretärin Gonca Türkeli-Dehnert (CDU) stellte klar: „Dabei kommen Zwangsheiraten nicht nur in moslemischen, sondern auch in hinduistischen, jesidischen und christlichen Kontexten vor“ (1). Das trifft zu, aber wenn in Deutschland Zwangsehen geschlossen werden, betrifft dies eben fast immer Familien aus dem orientalisch-muslimischen Kulturkreis.

Selbstverständlich entschuldigte sich der betroffene Schulbuchverlag und gelobte Besserung: „Unsere Redaktion hat die Seite heute geprüft und ist der Ansicht, dass die Darstellung unnötig zugespitzt und klischeehaft ist. Auch wenn die geschilderte Extremsituation geeignet ist, um ein Dilemma philosophisch zu diskutieren, werden wir es umgehend im Nachdruck gegen eine Neuformulierung austauschen“ (1). Auf diese Formulierung darf man gespannt sein. Vielleicht liest man dann: „Sepp Mairhuber aus Altötting verheiratet seine Tochter Zenzi mit dem Sohn des Nachbarn“ oder „Ebbo Hinrichsen aus Aurich zwingt seine Tochter Geertje, seinen Skatbruder zu heiraten“.

Der Westermann-Verlag will es überhaupt nicht zu Eklat kommen lassen und gelobt in vorauseilendem Gehorsam, seine Lehrbücher antirassistisch zu gestalten. Insbesondere will man von der Perspektive „Wir und die Anderen“ wegkommen. So findet sich z.B. immer noch in zahlreichen Büchern die Frage, wie viele ausländische Kinder in der Klasse sitzen. Denn „das impliziert immer eine Mehrheitsgesellschaft, die daneben Minderheiten hat“. Diese Fragestellungen sind im allgemeinen Verständnis nicht mehr zielführend und wünschenswert“ (2). Auf der Differenzierung Inländer – Ausländer beruht jedoch jeder Staat, der sich über ein begrenztes (Grenze!) Staatsgebiet und einem Staatsvolk definiert, das alle Personen umfasst, die eine bestimmte Staatsangehörigkeit besitzen. Und so ergibt es sich zwangsläufig, dass es in jedem Staat eine Mehrheitsgesellschaft der Staatsbürger gibt, denen eine Minderheit an Ausländern gegenübersteht. Und die Mehrheit der Staatsbürger besitzt Rechte, die den Minderheiten der Ausländer vorenthalten werden, wie z.B. das Wahlrecht oder das Recht, öffentliche Ämter zu übernehmen. Wer das ändern will, stellt die gesamte Grundordnung eines Staates infrage und strebt danach, den demokratischen Rechtsstaat abzuschaffen.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/rassismus-in-schulbuch/

(2) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2022/migration-und-rassismus-westermann-verlag-will-lehrbuecher-umgestalten/

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