SPD BLAMIERT SICH MIT „VERSCHISSMUSS“-KRANZ – Ergebnis einer roten Bildungspolitik mit Schreiben nach Gehör?

Guten Morgen liebe Hessen,

Eine der Kernkompetenzen der SPD ist die Bildungspolitik – so jedenfalls sieht es die Partei selbst. In ihrem Wahlprogramm für Hessen forderte sie, „in der Schule auf Zwangsabstiege und Sitzenbleiben ganz zu verzichten“. Denn: „das frustriert die Kinder“. Erklärtes Ziel der SPD daher: „keine Schülerin und kein Schüler ohne Schulabschluss“. Jeder soll also ein Abschlusszertifikat erhalten – egal ob er die Leistung erbringt, die dazu erforderlich ist oder nicht.

Ein Ergebnis der SPD-Bildungspolitik musste die bedauernswerte Partei jetzt selbst erfahren: als am vergangenen Samstag die SPD-Ratsfraktion in Mülheim an der Ruhr anlässlich des Volkstrauertages einen Kranz niederlegte, lautete die Inschrift auf der Kranzschleife: „Den Opfern von Krieg und Verschissmuss“ – gemeint war selbstverständlich „Faschismus“ (1). Man kann sich leicht vorstellen, wie der Fehler passierte: die Ratsfraktion bestellte – wie jedes Jahr – den Kranz mit dem üblichen Text auf der Schleife. Die Bestellung wurde an irgendeiner Stelle telefonisch weitergegeben. Dem Angerufenen war der Begriff „Faschismus“ selbstverständlich geläufig – es ist neben „Rassismus“ einer der am häufigsten verwendeten Termini in der linken Szene. Der Angerufene kennt den Begriff aber nur vom Hörensagen, weiß aber natürlich nicht, woher dieser kommt, sondern nur, dass sich etwas Negatives dahinter verbirgt. Und da er nur Schreiben nach Gehör gelernt hat, kombiniert er, dass es nur „Verschissmus“ heißen kann. Immerhin logisch – aber eben falsch.

Diese – wahrscheinliche – Erklärung für den Fehler passt natürlich nicht ins linke Weltbild. Und deshalb hat die SPD gleich eine andere Begründung parat: da der Text jedes Jahr derselbe sei, könne es sich nicht um eine Verwechslung handeln. Vielmehr geht die SPD davon aus, dass es sich um einen Sabotageakt handelt, um der SPD zu schaden (1). Denn die Gärtnerei habe eine andere Schleifendruckerei beauftragt. Und dort könne jemand tätig sein, der der SPD Schaden zufügen will (2). Wer das sein könnte, ist relativ klar: jemand aus der rechten Szene, vielleicht ein AfD-Wähler oder sogar ein AfD-Mitglied, das sich als Drucker in den Betrieb eingeschleust hat, der die Trauerschleife bedruckt. Die SPD hat deshalb auch gleich einen Anwalt eingeschaltet, der den Fall aufklären soll (3).

Damit ist aber noch nicht die Frage beantwortet, warum der Fehler bei der SPD-Ratsfraktion in Mülheim nicht aufgefallen ist. Immerhin besteht die Fraktion aus 19 Mitgliedern, von denen die meisten wohl bei der Kranzniederlegung anwesend waren. Wahrscheinlich wurde der Kranz einige Tage vor dem Volkstrauertag an die Fraktion oder den Ortsverein ausgeliefert, so dass ausreichend Gelegenheit war, die Kranzinschrift zu überprüfen. Offensichtlich ist die fehlerhafte Inschrift aber niemandem aufgefallen. Denn der SPD ist es wohl wichtig, gegen Faschismus zu sein – egal wie man ihn schreibt. Und der aus dem italienischen Wort fascio abgeleitete Begriff wird von vielen Historikern ohnehin als inhaltsleer bezeichnet, da er „so gut wie nichts über das Wesen dessen aussagt, was faschistisch ist oder sein soll“ (4). Fascio wird übersetzt mit „Bund“ (in unterschiedlichem Sinn), Faschismus ist daher ein nichtssagender Begriff. Das kann man von dem Terminus „Verschissmus“ nicht behaupten – da kann sich auch ein SPD-Vertreter etwas Konkretes vorstellen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.express.de/news/panorama/volkstrauertag-verschissmus-statt-faschismus-spd-muelheim-33478260

(2) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/muelheim-an-der-ruhr-verschissmuss-fehler-auf-trauerschleife-spd-schaltet-anwalt-ein-a-1296952.html

(3) https://www.tagesspiegel.de/politik/den-opfern-von-krieg-und-verschissmuss-spd-ortsfraktion-blamiert-sich-mit-peinlichem-schreibfehler/25238782.html

(4) Fritz Schotthöfer: Il fascio. Sinn und Wirklichkeit des italienischen Faschismus. 1924; zitiert nach Wippermann: Faschismus. Eine Weltgeschichte. 2009, S. 7.

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