Statt einheitliche Regeln für alle – Ausnahmen für bestimmte Gruppen

Guten Morgen liebe Hessen,

Im wöchentlichen Turnus werden neue Corona-Regeln erlassen. Viele dieser Regeln sind wenig sinnvoll – einige aber schon. Und dazu gehört die Beschränkung auf eine bestimmte Personenzahl bei Versammlungen. Diese Regel ist sinnvoll, denn sie reduziert die Kontakte zwischen Personen deutlich. Und dieser Effekt ist erheblich, da die Anzahl von Kontaktmöglichkeiten – und damit das Risiko einer weiteren Virusverbreitung – mit zunehmender Personenzahl exponentiell zunimmt. Dies gilt insbesondere für Versammlungen, an denen Personen teilnehmen, die aus verschiedenen Regionen anreisen – wie z.B. Kongresse, Messen, aber auch Familienfeiern wie Hochzeiten oder Beerdigungen. Für letztere gilt meist ein Limit von 25 Personen, was für eine durchschnittliche Beerdigung in der Regel ausreichend ist. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen, d.h. Feiern, bei denen deutlich mehr Personen anreisen, z.B. bei Großfamilien oder „Familienclans“, die teilweise aus mehreren hundert Personen bestehen und bei denen der familiäre Zusammenhalt sehr eng ist. Und so fand kürzlich in der Nähe von Augsburg eine Beerdigung statt, an der deutlich mehr als 100 Personen teilnahmen, die aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren (1).

Ein ähnlicher Fall steht jetzt in Leverkusen bevor, wie der Focus vermeldet: „Alarm-Stimmung in Leverkusen. Clan-Anführer an Corona gestorben: Jetzt steht Beerdigung an – mit Hunderten von Gästen“. Es geht um den „vielköpfigen Roma-Clan der Gomans“. Zu dessen Anwesen in Leverkusen-Wiesdorf fuhr vor wenigen Tagen die Polizei vor, da sich dort etwa 80 Personen versammelt hatten. Hintergrund der Ansammlung war nach FOCUS-Recherchen „die Sorge um die Corona-Erkrankung zweier führender Clan-Größen“. Die Polizei griff jedoch nicht ein, da es sich um ein Privatgrundstück handelte. Inzwischen ist einer der beiden Clan-Chefs verstorben, der „hohes Ansehen im bundesweit weitverzweigten Familiennetzwerk als Friedensrichter genossen haben“ soll. Heute soll der Verstorbene auf dem Leverkusener Friedhof beerdigt werden, wobei mit einem „enormen Besucherandrang“ gerechnet wird (2).

Da dabei die Anzahl zugelassener Trauergäste von 25 weit überschritten werden wird, haben die Behörden ein Sicherheitskonzept erarbeitet, um die Hygiene-Regeln auch bei der Clan-Beerdigung durchzusetzen (2). Auf die Idee, einfach die geltende Verordnung mit der limitierten Anzahl von 25 Personen durchzusetzen, sind die Behörden offensichtlich nicht gekommen. In gewisser Weise verständlich, denn die „kriminellen Zweige der Goman-Großfamilie mitsamt ihrem bundesweiten Netzwerk verwandter oder verschwägerter Roma-Gruppen“ sind den Behörden nicht unbekannt. Dabei geht es u.a. um „Geldwäsche durch Immobilienkäufe, Diebstahl, Einbrüche, der Abzocke alter Menschen über den Enkel-Trick im großen Stil sowie Sozial- und Teppich-Betrügereien“ (2).

Da könnte es sein, dass die Behörden die – möglicherweise gewalttätige und blutige – Auseinandersetzung mit den Clan-Mitgliedern scheut. Was die verantwortlichen Politiker und Beamten aber wahrscheinlich noch mehr fürchten: die öffentlichen Angriffe wegen „rassistischer“ Übergriffe und „Antiziganismus“. Denn eines ist sicher: wenn Polizeibeamte den Trauernden den Zugang zum Friedhof gewaltsam versperren und dabei nur ein Tropfen Blut fließt, ist den Verantwortlichen die mediale Hinrichtung gewiss.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.augsburger-allgemeine.de/donauwoerth/Trotz-Corona-Regeln-100-Gaeste-auf-Beerdigung-in-Rain-id59058606.html
(2) https://www.focus.de/politik/deutschland/super-spreader-in-leverkusen-clan-anfuehrer-an-corona-gestorben-nun-steht-beerdigung-an-mit-hunderten-von-gaesten_id_13155032.html

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