Steinmeier sagt Wahres,zieht aber falsche Schlüsse: Türkische Zuwanderer haben „Gesicht unseres Landes“ verändert

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor 60 Jahren wurde das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei abgeschlossen. Der Bundespräsident forderte anlässlich des Jahrestages „eine stärkere Würdigung der Leistungen von Zuwanderern“ und „ihre Bedeutung für die Entwicklung der Gesellschaft besser anzuerkennen“. Weiterhin sagte der Präsident, dass die türkischen Zuwanderer das „Gesicht unseres Landes“ verändert hätten (1). Das stimmt. In jeder Stadt gibt es inzwischen gut sichtbare – und teilweise auch gut hörbare – Moscheen, Shisha-Bars, bei Fußball-Meisterschaften und Besuchen türkischer Politiker ein Meer von türkischen Fahnen und an den Wochenenden türkische Hochzeitskorsos auf den Autobahnen. All das gab es in den rückständigen und muffigen fünfziger Jahren nicht. Erst jetzt wird einem bewusst, wie langweilig und öde es damals doch gewesen ist.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, beklagte anlässlich des Jahrestages, dass „die Leistung der türkischen Gastarbeiter in Deutschland nicht ausreichend anerkannt worden sei“. Er kritisierte, dass seinerzeit nicht an die Eingliederung der Menschen gedacht worden sei: „Man hat gar nicht an Integration gedacht. Man hat geglaubt, die Gastarbeiter kommen, arbeiten ein paar Jahre, haben dann genug Geld verdient und gehen dann wieder“ (1). Das ist zutreffend. Tatsächlich war das Abkommen dazu gedacht, dass Gastarbeiter aus der Türkei für eine begrenzte Zeit nach Deutschland einreisen, dort einige Jahre arbeiten und Geld verdienen und dann wieder in ihre Heimat zurückkehren. Insoweit war eine Integration auch nicht erforderlich.

Weiterhin bemängelte der Vorsitzende die mangelnde Repräsentation von Türken in der deutschen Gesellschaft: „Wenn man sich genau anschaut, wie Deutschland regiert und verwaltet wird, sieht man sehr wenige Migranten oder Menschen mit türkischem Background. Das zeigt, dass Migranten angekommen sind, aber noch nicht im Staatsbild dieser Republik“ (1). Auch das mag zutreffen, ist aber sicher nicht die Schuld des Staates oder deren Bürger. Tatsächlich ist es keinem Staatsbürger – auch wenn er türkischer Herkunft ist – verwehrt, in eine Partei einzutreten und sich um ein Mandat zu bewerben. Niemand hindert Türken daran, sich aktiv in Gewerkschaften, Sportvereinen, Orchestern, den freiwilligen Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk, oder der DLRG zu betätigen. Das passiert jedoch kaum. Der Migrantenanteil in den genannten Institutionen ist deutlich geringer als es dem Bevölkerungsanteil entspricht.

Und der Vorsitzende beklagte, dass sich Türken in ihrer neuen Heimat immer noch ausgegrenzt fühlen (1). Niemand grenzt Türken aus. Aber nicht wenige Türken verweigern sich hartnäckig einer Integration. Viele sprechen selbst nach Jahrzehnten wenig bis überhaupt kein deutsch und bewegen sich ausschließlich in der türkischen Community, d.h. zwischen der türkischen Familie und türkischen Nachbarn, türkischen Läden und Cafés, türkischen Ärzten und Anwälten.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/tuerkische-gemeinde-beklagt-mangelnde-wertschaetzung-fuer-gastarbeiter/

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