STRUKTURELLER RASSISMUS? Nobelpreisträger erneut alte, weiße Männer

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor einigen Tagen war es wieder soweit. Das schwedische Nobelpreis-Komitee gab die diesjährigen Preisträger der Kategorie Medizin bekannt. Wie häufig sind es drei an der Zahl. Und wie fast immer alte weiße Männer. Die drei Preisträger sind zwischen 68 und 85 Jahre alt, alle drei aus dem englischen Sprachbereich (1). Keine einzige Frau, kein Schwarzer und natürlich auch kein einziger Angehöriger der Religion des Friedens. Wie seit 120 Jahren. Also keine Überraschung. Seit der ersten Preisvergabe 1901 wurden die wissenschaftlichen Auszeichungen ganz überwiegend an alte weiße Männer vergeben. Von den bisher etwa 700 Preisträgern der Kategorien Chemie, Physik, Medizin und Wirtschaft sind nur 3 Prozent Frauen, 0,3 Prozent Muslime und kein einziger Schwarzafrikaner.

Hier stellt sich natürlich die Frage nach den Gründen. Mit der hat sich sogar eine Muslimin befasst: Lamya Kaddor, „deutsche Lehrerin, muslimische Religionspädagogin, Islamwissenschaftlerin und Publizistin“ – also anerkannte Expertin (2). Sie sagt, das hat nichts mit dem Islam oder der angeblichen Bildungsfeindlichkeit des Islam zu tun. Denn die muslimische Welt war weltweit führend in der Wissenschaft. Jedenfalls früher. Da hätten Muslime alle Nobelpreise abgeräumt: etwa der Mathematiker Khawarizmi, der Physiker Al-Biruni, der große Naturwissenschaftler Ibn al-Haytham oder der berühmte Mediziner Ibn Sina (2). Aber die waren leider alle längst tot, als Alfred Nobel sein Testament verfasste. Der Grund, warum es so gut wie keine Nobelpreisträger aus islamischen Ländern gibt, liegt laut Lamya Kaddor darin, dass heute die Wissenschaft in westlichen Ländern viel effizienter ist und die Forschungseinrichtungen finanziell viel besser ausgestattet sind (3). Es liegt also nicht etwa an der Bildungsfeindlichkeit, sondern am Geld. Geld ist aber in einigen islamischen Ländern mehr als genug da: zum Beispiel in Saudi-Arabien oder den Emiraten. Dort müssten Bildungseinrichtungen wie Pilze aus dem Boden schießen. Tun sie aber nicht. Und der Emir gibt sein Geld lieber für PS-starke Boliden, die Falkenzucht oder eine Fußball-WM aus. Da bleibt nicht mehr viel für die Wissenschaft.

Aber die wahre Ursache für die Benachteilgung von Frauen, Schwarzen und Muslimen bei der Vergabe von Nobelpreisen liegt natürlich woanders: im strukturellen Rassismus – einem allgegenwärtigen Phänomen. Alte weiße Männer beanspruchen alle Macht und alles Geld für sich – und natürlich auch alle Nobelpreise. Und da gibt es nur eine Lösung: die Quote.

Die gibt es für manche Auszeichnungen schon. So gibt es die Frauenquote beim Bundesverdienstkreuz: die von den Ministerpräsidenten einzureichenden Vorschlagslisten müssen mindestens 30 Prozent Frauen enthalten, sonst werden sie vom Bundespräsidialamt nicht angenommen.
Das sollte dann auch beim Nobelpreis eingeführt werden. Eine Quote für alle Personengruppen, die bisher bei der Preisvergabe benachteiligt wurden. Erstaunlich nur, dass bisher niemand diese Forderung erhoben hat. 50 Prozent aller Nobelpreise für Frauen, jeweils 20 Prozent für Muslime und POC. Aber das wird sicher noch kommen. Und dann haben selbst die Entdecker des Hepatitis-Virus keine Chance mehr auf einen Preis.

Jedenfalls dann nicht, wenn es alte weiße Männer sind.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.tagesschau.de/ausland/medizin-nobelpreis-117.html
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Lamya_Kaddor
(3) https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_82400156/warum-geht-der-nobelpreis-fast-nie-an-muslime-.html

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