Struktureller Rassismus ? Nobelpreisträger überwiegend alte, weiße Männer

Guten
Morgen liebe Hessen,

Vor
einigen Wochen war es wieder soweit. Das schwedische Nobelpreis-Komitee gab die
diesjährigen Preisträger bekannt. Wie üblich, gab es dabei kaum Überraschungen,
vor allem nicht bei den drei naturwissenschaftlichen Kategorien Physik, Chemie
und Medizin. Die 7 Preisträger stammen alle aus Europa bzw. den USA und sind
alle zwischen 56 und 81 Jahren alt. Also wie immer alte weiße Männer – mit
einer Ausnahme, der Chemie-Preisträgerin Carolyn Bertozzi. Aber ansonsten wie
immer kein Schwarzer und natürlich auch kein einziger Angehöriger der Religion
des Friedens. Seit der ersten Preisvergabe 1901 wurden die wissenschaftlichen
Auszeichungen ganz überwiegend an alte weiße Männer vergeben. Von den bisher
etwa 700 Preisträgern der Kategorien Chemie, Physik, Medizin nur 0,3 Prozent
Muslime und kein einziger Schwarzafrikaner.

Hier
stellt sich natürlich die Frage nach den Gründen. Mit der hat sich sogar eine
Muslimin befasst: Lamya Kaddor, „deutsche Lehrerin, muslimische Religionspädagogin,
Islamwissenschaftlerin und Publizistin“ – also anerkannte Expertin (2). Sie
sagt, das hat nichts mit dem Islam oder der angeblichen Bildungsfeindlichkeit
des Islam zu tun. Denn die muslimische Welt war weltweit führend in der Wissenschaft.
Jedenfalls früher. Da hätten Muslime alle Nobelpreise abgeräumt: etwa der
Mathematiker Khawarizmi, der Physiker Al-Biruni, der große Naturwissenschaftler
Ibn al-Haytham oder der berühmte Mediziner Ibn Sina (1). Aber die waren leider
alle längst tot, als Alfred Nobel sein Testament verfasste. Der Grund, warum es
so gut wie keine Nobelpreisträger aus islamischen Ländern gibt, liegt laut
Lamya Kaddor darin, dass heute die Wissenschaft in westlichen Ländern viel
effizienter ist und die Forschungseinrichtungen finanziell viel besser ausgestattet
sind (2). Es liegt also nicht etwa an der Bildungsfeindlichkeit, sondern am
Geld. Geld ist aber in einigen islamischen Ländern mehr als genug da: zum
Beispiel in Saudi-Arabien oder den Emiraten. Dort müssten Bildungseinrichtungen
wie Pilze aus dem Boden schießen. Tun sie aber nicht. Und der Emir gibt sein
Geld lieber für PS-starke Boliden, die Falkenzucht oder eine Fußball-WM aus. Da
bleibt nicht mehr viel für die Wissenschaft. Und selbst wenn, hätte er
vermutlich kein Interesse daran.

Aber
die wahre Ursache für die Benachteilgung Schwarzen und Muslimen bei der Vergabe
von Nobelpreisen liegt natürlich woanders: im strukturellen Rassismus – einem
allgegenwärtigen Phänomen. Alte weiße Männer beanspruchen alle Macht und alles
Geld für sich – und natürlich auch alle Nobelpreise. Und da gibt es nur eine
Lösung: die Quote. Die gibt es für manche Auszeichnungen schon. So gibt es die
Frauenquote beim Bundesverdienstkreuz: die von den Ministerpräsidenten
einzureichenden Vorschlagslisten müssen mindestens 30 Prozent Frauen enthalten,
sonst werden sie vom Bundespräsidialamt nicht angenommen.

Das
sollte dann auch beim Nobelpreis eingeführt werden. Eine Quote für alle
Personengruppen, die bisher bei der Preisvergabe benachteiligt wurden. Erstaunlich
nur, dass bisher niemand diese Forderung erhoben hat. 50 Prozent aller
Nobelpreise für Frauen, jeweils 20 Prozent für Muslime und POC. Aber das wird
sicher noch kommen. Und dann haben selbst die Entdecker des Hepatitis-Virus
keine Chance mehr auf einen Preis. Jedenfalls dann nicht, wenn es alte weiße
Männer sind.

Ihr
Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Lamya_Kaddor

(2) https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_82400156/warum-geht-der-nobelpreis-fast-nie-an-muslime-.html

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