SYSTEMRELEVANTER FUSSBALL: Bundesliga startet trotz Corona

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Corona-Pandemie hat fast alle Aktivitäten im Land blockiert. Nach fast zwei Monaten werden die Restriktionen langsam wieder gelockert, wobei – jedenfalls scheinbar – Bedeutung der einzelnen Aktivitäten und zusätzliche Risiken gegeneinander abgewogen werden. Wichtige und systemrelevante Aktivitäten sollen – unter Beachtung entsprechender Auflagen – zunehmend wieder erlaubt werden, unwichtige nicht. Aber es gibt natürlich auch eine Ausnahme: den Profifußball. Ab Mitte Mai spielt die Bundesliga wieder – als einzige „Topsportliga der Welt“ (1).

Profifußball ist eigentlich weder wichtig noch gar systemrelevant – aber dennoch wieder freigegeben, jedenfalls ohne Publikum. Das stört die Verantwortlichen aber nicht weiter, weil jedenfalls Einnahmen für Werbung und Senderechte wieder fließen. Hier stellt sich natürlich die Frage nach der Risikoabwägung, die hier im Hinblick auf die fehlende Systemrelevanz besonders kritisch zu würdigen wäre. Bedeutet: eine Freigabe wäre nur dann zu verantworten, wenn das zusätzliche Risiko gering bis nahe null wäre. Das ist es aber ganz sicher nicht. Im Gegenteil: das Infektionsrisiko ist nicht unerheblich, da die üblichen Maßregeln – vor allem das Abstandsgebot – nicht einzuhalten sind. Die Spieler haben Körperkontakt und das Risiko, sich dabei zu infizieren, ist deutlich erhöht. Da hilft auch das angeblich ausgefeilte Hygienekonzept nicht. Nicht nur, weil es praktisch nicht umsetzbar ist, sondern weil der Verdacht besteht, dass die Akteure kein Interesse an einer Umsetzung haben.

Das liegt möglicherweise weniger an einer intellektuellen Überforderung der Fußballe, sondern einfach am fehlenden Willen. Ein gelungenes Beispiel lieferte dabei der Spieler Salomon Kalou. Der betrat kürzlich singend das Gebäude seines Vereins Hertha BSC, gab einem Mitarbeiter die Hand, begab sich weiter in die Kabine, wo er mehreren seiner Mitspieler die Hand schüttelte. Alle Spieler in der Kabine sitzen eng zusammen, wobei kein einziger eine Maske trägt. Der Fußballer filmt die ganze Szene mit seinem Handy und stellt das Ganze auf Facebook. Die DFL sorgt zwar dafür, dass das Ganze schnell gelöscht wird, aber zu spät: es haben zu viele bereits gesehen und sich ein Bild verschafft (2).

Da hatte sich die DFL viel Mühe gemacht und nach langen Diskussionen mit Experten, Ministerien und Behörden ein viele Seiten umfassendes detailliertes Hygienekonzept ausgearbeitet, um darzulegen, wie man ohne wesentliches zusätzliches Risiko wieder ein Spiel veranstalten kann und dann kommen einige Kicker und zeigen, was bei ihnen von dem Konzept angekommen ist: nichts. Kalou und seine Mitspieler tun einfach so, als gäbe es kein Corona-Virus und keine Infektion und vor allem als gäbe es keine detaillierten Anweisungen der DFL, wie man sich verhalten muss, damit man als Fußballer in den Genuss einer Sonderregelung kommt. Schlimmer noch: die Kicker verstoßen nicht nur vielfach gegen klare Regeln (was schon schlimm genug ist), sondern lassen die ganze Welt an ihrer Ignoranz teilhaben. Offensichtlich ist sich keiner der Beteiligten bewusst gewesen, dass sie massiv gegen Regeln verstoßen – sie haben auch kein Problem damit, das der gesamten Weltöffentlichkeit mitzuteilen. Dummheit oder Gedankenlosigkeit – eigentlich egal. Denn der Vorfall zeigt: Fußballprofis leben in ihrer Parallelwelt. Man kann nicht von ihnen erwarten, dass sie sich an allgemeine Regeln halten.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.zeit.de/sport/2020-05/fussball-bundesliga-geisterspiele-infektionsschutz-coronavirus/komplettansicht

(2) https://www.zeit.de/sport/2020-05/salomon-kalou-hertha-bsc-coronavirus-regeln-infektionsschutz/komplettansicht
Salomon Kalou

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren