Tabuthema „Kultureller Täterhindergrund“: Frau von Partner bei lebendigem Leib verbrannt

Guten Morgen liebe Hessen,

Kürzlich berichtete die BILD-Zeitung über eine Beziehungstat im französischen Mérignac nahe Bordeaux: „Mann schießt Frau nieder, zündet sie an – tot!“. Der Mann „verfolgte die Frau zunächst auf der Straße und schoss mit einem Gewehr auf ihre Beine, woraufhin sie stürzte. Anschließend übergoss er sie mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie an“. Der Tod der Frau habe „große Aufregung“ in der Gemeinde ausgelöst (1). Das 31-jährige Opfer ist Mutter von drei Kindern im Alter von drei, sieben und elf Jahren, der 44-jährige Tatverdächtige ist der Familienvater, d.h. der. Der Tatverdächtige wurde kurz nach der Tat festgenommen (2). Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der Täter der Polizei bereits wegen früherer Straftaten bekannt (3).

Der Kurier titelte: „Frau von Partner bei lebendigem Leib verbrannt“. Und in der Unterzeile „Femizid in Frankreich: 31-jährige starb auf offener Straße in Wohnviertel“. Der Begriff „Femizid“ bezeichnet die Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Der heute häufig verwendete Terminus richtet die Aufmerksamkeit auf das Opfer und den Umstand, dass dieses wegen des Geschlechts – d.h. ohne eigenes „Verschulden“ – getötet wurde. Im Gegensatz etwa zu einem Raubmord oder dem Mord an der reichen Erbtante, die der Täter beerben will. Der Begriff lenkt aber damit zwangsläufig vom Täter und dessen Motivation ab. Der Begriff soll verdeutlichen, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern auch gesamtgesellschaftliche Probleme stecken, wie etwa die Abwertung von Frauen oder patriarchale Rollenbilder (3). Auch wenn es Gewalt von Männern gegen Frauen „in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen“ gibt, werden besonders brutale Tötungsdelikte häufig mit bestimmten kulturellen Gruppen in Zusammenhang gebracht.

Bei der vorliegenden Tat wird dieser Zusammenhang von den Medien jedoch nicht hergestellt. Im Gegenteil: Angaben über den Tatverdächtigen sucht man in den diversen Artikeln vergeblich. Der Leser erfährt zunächst nur, dass er 44 Jahre alt ist. Einige Tage nach der Tat erhält man weitere Details zum Täter. Er besitzt die algerische und französische Staatsbürgerschaft und ist bereits wegen häuslicher Gewalt mehrfach vorbestraft. Bis Ende des vergangenen Jahres war er deshalb inhaftiert gewesen – er hatte eine 18-monatige Strafe erhalten. Erst vor zwei Monaten hatte das Opfer erneut Anzeige gegen den Täter erstattet, was jedoch die Behörden offensichtlich nicht dazu gebracht hat, die Tat zu verhindern. Nach seiner Verhaftung gab der Mann als Motiv für seine Tat an, dass „er die Frau habe bestrafen, aber nicht töten wollen, weil sie einen Liebhaber gehabt habe“ (4).

Ein Fall wie viele andere: der aus einem bestimmten Kulturkreis stammende Mann betrachtet seine Frau als sein Eigentum, mit dem er nach Belieben verfahren kann. Wenn sie ihn verlässt, glaubt er das Recht zu haben, sie zu bestrafen und im Extremfall töten zu dürfen. An dieser Einstellung hat bei ihm offensichtlich weder die Französische Staatsbürgerschaft noch der langjährige Aufenthalt in einem westlichen Land etwas geändert.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/news/ausland/news-ausland/frankreich-mann-schiesst-frau-nahe-bordeaux-nieder-und-zuendet-sie-an-76295014.bild.html
(2) https://www.blick.ch/ausland/horror-tat-in-frankreich-dreifache-mutter-bei-lebendigem-leib-verbrannt-id16504637.html
(3) https://kurier.at/chronik/welt/frau-von-partner-bei-lebendigem-leib-verbrannt/401372735
(4) https://www.welt.de/politik/ausland/article230929991/Frankreich-Kritik-an-Behoerden-nach-brutalem-Mord-an-Ehefrau.html

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