Täterbeschreibung: Mensch (m/w/d), flüchtig, Frankfurts Präventionsrat praktiziert Rassismus- und sexismusfreie Fahndung

Guten Morgen liebe Hessen,

Immer wieder wird der Polizei Rassismus vorgeworfen. Einen erneuten Beweis lieferte am 28.06.2019 die Bundespolizeiinspektion Magdeburg mit ihrem Aufruf „Sexuelle Belästigung in einem Regionalexpress – Bundespolizei sucht Zeugen“. Am Vortag wurde im Regionalexpress von Magdeburg nach Stendal eine 22-jährige Frau sexuell belästigt. Ein Mitreisender fasste ihr gegen ihren Willen zwischen die Beine. Der Täter wird wie folgt beschrieben. „Dunkelhäutig/schwarzafrikanischer Phänotypus, bekleidet mit einem rot in Rot gemusterten Überwurfhemd und weiterer afrikanisch bunter Bekleidung“ (1).

Deutlicher geht es nicht. Da wird der Täter wieder auf seine Hautfarbe (dunkel) und seine Herkunft (Afrika) reduziert. Und seine „afrikanisch-bunte“ Kleidung. Als ob man die nicht wechseln könnte. Mit dieser rassistischen Täterbeschreibung geraten sofort alle afrikanischen Mitbürger ins Visier der Ermittler, während die hellhäutige Mehrheit pauschal vom Verdacht freigesprochen wird. Als ob es nicht auch unter den weißen Männern Vergewaltiger gäbe. Das typische Klischee also.

Da ist die Stadt Frankfurt am Main deutlich weiter. Der Oberbürgermeister betont ständig, dass Rassismus in seiner Stadt keinen Platz hat. Und dafür sorgt er auch persönlich. Zum Beispiel durch eine vom Präventionsrat der Stadt entwickelte „Zeugenkarte“, mit der die Bürger der Stadt aufgefordert werden, sich als Zeugen zur Verfügung zu stellen, wenn sie Straftaten beobachten. Um in diesem Fall auch verwertbare Aussagen tätigen zu können, sind auf der Zeugenkarte neben Tatort und – zeit Merkmale für eine Personenbeschreibung aufgelistet, z.B. Alter, Körpergröße und Statur, Haare, Bart, Bekleidung, Brille Schmuck und Piercings.

Was auf der Karte fehlt, sind das Geschlecht und die Ethnie bzw. Hautfarbe. Das sind zwar – im Gegensatz zu Haarfarbe, Bart und Brille – unveränderliche Merkmale, aber eben diskriminierend und rassistisch. Begeht eine Frau eine Straftat – z.B. einen Taschendiebstahl – und ist flüchtig, würde man bei Angabe des Geschlechts ausschließlich nach einer Frau suchen. Es würden also alle Männer (und Angehörige weiterer Geschlechter) pauschal von der Fahndung ausgenommen und damit in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, nur Frauen würden Taschendiebstähle begehen.

Noch schlimmer ist es, im Fahndungsaufruf die ethnische Zuordnung anzugeben – etwa Südostasiate oder Schwarzafrikaner. Damit würden Angehörige der ohnehin benachteiligten Minderheiten in einen Pauschalverdacht geraten. Racial profiling also. Und umgekehrt würde auch der Eindruck erweckt, die weiße Mehrheit wäre frei von kriminellem Treiben.

Und so ist die Frankfurter Zeugenkarte frei von Rassismus und Diskriminierung. Wer eine Straftat beobachtet, kann den Zeugen Rassismus-frei beschreiben: Täter (m/w/d), lange braune Haare, Brille, Jeans und T-Shirt. Das hilft bei der Fahndung zwar nicht, aber es wird niemand diskriminiert. Schwierig wird es nur, wenn man als Tatort die Mohren-Apotheke angeben müsste. Aber wer dort beklaut wird, ist ohnehin selbst schuld. Er könnte sein Aspirin auch in einer Rassismus-freien Apotheke einkaufen.


Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter


(1) https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/74168/4309538

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