Tansania verkündet: Corona-Virus weggebetet – Kein Lockdown, keine überfüllten Intensivstationen

Guten Morgen liebe Hessen,

Noch vor wenigen Wochen haben verschiedene afrikanische Politiker Unterstützung bei der Beschaffung von Impfstoffen gefordert. Denn die wurden überwiegend von alten, weißen Männern entwickelt, die aber nur begrenzte Mengen produzieren und dafür viel Geld verlangen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäischen Kommission gründeten daher im April 2020 die Covid-19 Vaccines Global Access (COVAX), eine Organisation, deren Ziel es ist, allen Ländern einen gleichmäßigen und gerechten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen zu gewährleisten. Die Organisation will bis Ende 2021 zwei Milliarden Dosen Impfstoffe einkaufen und weltweit fair verteilen. Inzwischen sind mehr als 180 Staaten der Organisation beigetreten, darunter auch die Bundesrepublik und viele afrikanische Staaten (1). Das scheint aber dem einen oder anderen nicht auszureichen. So warnt die Africa Centres for Disease Control and Prevention vor einer „moralischen Katastrophe“ bei der Verteilung von Impfstoffen. Der Behördenleiter John Nkengasong fordert: „Wir brauchen diese Impfstoffe und wir brauchen sie jetzt“ (2). Und der kenianische Koordinator des People’s Health Movements, Dan Owalla, verlangt die Aufhebung des Patentschutzes auf „wichtige Medikamente wie Impfstoff gegen Corona“, da nach seiner Auffassung Medizin ein „Gemeingut“ ist (3).

Jetzt hat Tansanias Staatschef Magufuli eine andere Lösung für das Pandemie-Problem gefunden. Er lehnt den Impfstoff ab und will für sein Land auch keine Impfstoffe bestellen. Kürzlich verkündete er seinen Landsleuten: „Wir brauchen das nicht – Tansania ist nämlich virenfrei“. Denn Magufuli hat gefährliche Virus weggebetet. Im Juni letzten Jahres hatte der Staatschef einen dreitätigen Gebetsmarathon durchgeführt. Offensichtlich erfolgreich, denn er vermeldete: „Gott hat uns erhört. Unsere Feinde mögen sagen, was sie wollen. Wir sind hier sicher“ (4).

Dabei misstraute Magufuli dem Serum aus dem rassistischen Europa und Amerika schon immer. Denn diese Seren seien unwirksam oder sogar schädlich: „Könnte der weiße Mann tatsächlich so ohne weiteres Impfstoffe entwickeln, hätte er längst schon welche gegen Aids und Tuberkulose, gegen Malaria und Krebs gefunden“. Und tatsächlich werden aus Tansania nur wenige Corona-Fälle gemeldet. Das Land taucht mit 500 Fällen bei 60 Mio. Einwohnern in den meisten Statistiken überhaupt nicht auf (zum Vergleich Deutschland: 2,4 Mio Fälle bei 80 Mio. Einwohnern). Die Zahl der Corona-Infizierten im Land ändert sich auch nicht, da keine neuen Fälle mehr gemeldet werden (4).

Damit ist das Pandemie-Problem gelöst – jedenfalls in Tansania. Während sich viele Länder seit einem Jahr mit Beschränkungen der Bürgerrechte und hektischer Impfstoffentwicklung und Impfaktionen notdürftig über Wasser halten, zeigt ein afrikanisches Land, wie es viel einfacher geht: das Virus wegbeten. Ohne Lockdown, ohne überfüllte Intensivstationen, ohne überforderte Ärzte und Pflegepersonal. Ein Vorbild für andere Länder – und vor allem für die EU.

Ihr Rainer rahn
Landtagsabgeordneter

(1) COVAX Announces additional deals to access promising COVID-19 vaccine candidates; plans global rollout starting Q1 2021. World Health Organization.

(2) https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-10/coronavirus-weltweit-covid-19-pandemie-neuinfektionen-entwicklung-liveblog?utm_content=zeitde_redpost_zei_link_sf&wt_zmc=sm.int.zonaudev.facebook.ref.zeitde.redpost_zei.link.sf&utm_term=facebook_zonaudev_int&liveblog._id=urn:newsml:localhost:2020-12-29T09:51:28.500472:ba4a71e1-789d-4ea0-a2d6-7cf52eb97cf3__editorial&utm_referrer=facebook&utm_campaign=ref&utm_source=facebook_zonaudev_int&utm_medium=sm&page=5

(3) https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-11/corona-krise-kenia-impfstoff-krisenpolitik-afrika-dan-owalla-phm/komplettansicht

(4) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/467953/4-5

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