ÜBER JAHRHUNDERTE NIEMANDEM AUFGEFALLEN: Grüne Abgeordnete entdecken Rassismus in Coburger Stadtwappen

Guten Morgen liebe Hessen,

„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan – der Mohr kann gehen“. Das lässt Schiller den „Mohren“ Muley Hassan in seinem 1783 uraufgeführten Drama „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ sagen, nachdem ihn sein Herr – der Graf von Lavagna – des Raumes verwiesen hatte, obwohl sich der „Mohr“ wegen verschiedener Spitzeldienste eine Belohnung erhofft hatte. Diesen Satz dürfte Schiller heute nicht mehr zu Papier – und erst recht nicht auf die Bühne – bringen. Jedenfalls nicht ohne sich der Lynchjustiz politkorrekter Sittenwächter auszusetzen. Aber Schiller ist seit Langem tot und schreibt nichts mehr und sein Stück wird vermutlich auch von keiner deutschen Bühne mehr gespielt. Aber dennoch ist der Mohr gegenwärtig.

Der bekannteste unter den Mohren – der Sarotti-Mohr – wurde zwar bereits vor geraumer Zeit in einen Magier der Sinne verwandelt, aber alle anderen Mohren sind immer noch da. Und die meisten von ihnen sogar dauerhaft in Stein gemeißelt an Hausfassaden oder in Erz gegossen auf Gullideckeln. Mohren finden sich auch auf den Schildern zahlloser Mohrenapotheken oder Mohren-Hotels und in vielen Wappen, z.B. dem der Städte Coburg, Möhringen und Eching und der Landkreise Freising und Garmisch. Und natürlich im Wappen des Erzbischofs von München und dem des vormaligen Papstes Benedikt, der den Mohren seinerzeit bei seinem Umzug von München nach Rom mitgenommen hatte.

Alles das hat über Jahrhunderte niemanden gestört. Niemandem war aufgefallen, wie rassistisch die Bezeichnung „Mohr“ ist und vor allem die bildliche Darstellung eines Mohren als dunkelhäutigen Menschen. Erst vor kurzem hatte der Vorsitzende der Initiative „Schwarze Menschen in Deutschland“ endlich darauf hingewiesen, dass diese Bezeichnung „von der Mehrzahl der Schwarzen Menschen als diskriminierend wahrgenommen“ wird (1). Und seither ist die Aktion Mohren-Umbenennung im Gange. Das Hotel „Drei Mohren“ in Augsburg wurde bereits umbenannt, viele Mohren-Apotheken haben zumindest die bildliche Darstellung des Mohren aus ihrem Logo entfernt und auch die diversen Mohren-Straßen werden nach und nach umbenannt.

Und damit das alles auch koordiniert abläuft, hat der Bayerische Landtag an alle Kommunen appelliert, die den Mohren im Wappen führen, eine offene Debatte über eine Änderung der Darstellung zu führen. Das Problem – so die Grünen-Abgeordnete Katharina Schulze – sei „die stereotype Darstellung“, denn „Afrikaner werden mit dicken Lippen und großen Ohrringen dargestellt und es ist auch immer eine Fremdzuschreibung, weil schwarze Menschen sich nicht selbst mit dem M-Wort bezeichnen würden“. Der Innenausschuss stellte fest, dass der Landtag eine Änderung kommunaler Wappen nicht verfügen könne, leitete jedoch die entsprechende Petition an die betroffene Stadt Coburg sowie die Landkreise Freising und Garmisch-Partenkirchen weiter (2).

Dort wird man nun vor Ort entscheiden, ob man dem Druck nachgeben will und ein traditionelles und seit hunderten von Jahren bestehendes Wappen ändern will oder nicht. Wahrscheinlich werden nicht wenige der betroffenen Kommunen oder Landkreise politisch korrekt den Mohren aus dem Wappen entfernen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://epaper-ifnp.fnp.de/webreader-v3/index.html#/465093/2-3
(2) https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/bayern-mohr-wappen-sollen-in-kommunen-diskutiert-werden-74131934.bild.html

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