„UNCLE BEN´s“-Reis: Rassismus in deutschen Küchen

Guten Morgen liebe Hessen,

Der Rassismus lauert an jeder Ecke – und häufig dort, wo man ihn am wenigsten vermutet. Zum Beispiel im Supermarkt. So kaufen viele Kunden seit Jahrzehnten völlig gedankenlos „Uncle Ben’s“ Reis – ohne zu ahnen, dass sie damit dem Alltagsrassismus Vorschub leisten. „Uncle Ben’s“ Reis gibt es seit über 70 Jahren und wird in der Bundesrepublik genauso lange vermarktet, da er als Produkt von hoher Qualität gilt. Das sollte aber nicht über die rassistische Vermarktung hinwegtäuschen. Denn den „Uncle Ben“ gibt es tatsächlich. Er ist auf jeder Packung abgebildet und tritt auch persönlich in der TV-Werbung auf, um die Hausfrau für den Reis zu begeistern. Und obwohl er das seit 70 Jahren erfolgreich macht, regt sich jetzt Widerstand gegen die Art der Präsentation des Produkts. Denn: „Uncle Ben“ hat eine dunkle Hautfarbe. Der ältere Herr ist zwar sehr vertrauenserweckend und in der Vermarktung seiner Ware sehr erfolgreich, aber das Unternehmen will nunmehr seinen Beitrag gegen „rassistische Vorurteile und Ungerechtigkeiten“ leisten (1).

Die Legende besagt, dass Uncle Ben ein afroamerikanischer Reisbauer in Texas war, der auf die Ernte seines Reises eine besonders große Sorgfalt verwendete. Tatsächlich war sein Reis von besserer Qualität als der seiner Konkurrenten und so war er bald in der ganzen Region um Houston dafür bekannt, Reis von höchster Qualität zu produzieren. Der war dann auch die Messlatte für seine Mitbewerber. Wenn ein anderer Reisproduzent eine besonders hohe Qualität produzierte, warb er mit dem Spruch: „Dieser Reis ist so gut wie der von Uncle Ben!“ (2). Das scheint aber egal zu sein, denn es könnte jemand beim Anblick der Reispackung mit dem Abbild des freundlichen Uncle Ben der Gedanke kommen, dass Uncle Ben in Wirklichkeit der Sklave eines weißen Reisfarmers ist, der unter unmenschlichen Bedingungen 15 Stunden am Tag auf den Reisfeldern geknechtet wird und dafür pro Woche kümmerliche 8 Dollar erhält. Und deshalb soll das Logo geändert werden. Der Hersteller weiß noch nicht wie. Nur so viel: es soll nicht rassistisch sein.

Andere Unternehmen beweisen weniger Sensibilität für das Thema der Zeit. So hat kürzlich der Geschäftsführer eines Schweizer Süßigkeitenherstellers angekündigt, sein Produkt weiterhin als „Mohrenkopf“ zu vermarkten. Begründung: „Ich mache etwas, von dem ich das Gefühl habe, dass es sehr gut ist. Der Mohrenkopf ist qualitativ hochstehend. Dafür benutze ich doch keinen zweitklassigen Namen“. Das gefällt natürlich nicht jedem. Das Handelsunternehmen Migros hatte daraufhin angekündigt, die Mohrenköpfe aus dem Sortiment zu nehmen. Der Schokoladenhersteller kann das nicht nachvollziehen: „Die Welt wird aber nicht weniger rassistisch, wenn ich den Namen ändere“ (3).

Tatsächlich ändert die Abschaffung vorgeblich rassistischer Bezeichnungen und Logos nicht s an der Realität – und vor allem nichts an ungerechtfertigter Diskriminierung und ungerechten Machtverhältnissen. Im Gegenteil: antirassistischer Aktionismus mit Abschaffung von Mohrenköpfen, Umbenennung von Mohren-Apotheken und dem Ende des Sarotti-Mohren lenken von den tatsächlichen Problemen ab.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2020/uncle-bens-und-aunt-jemima-aendern-ihre-logos/
(2) https://www.unclebens.de/ueber-uncle-bens/tradition-und-geschichte
(3) https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2020/schweizer-suessigkeitenhersteller-haelt-an-begriff-mohrenkopf-fest/

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