Verein Schwarzer Menschen fordert: Abschaffung von Begriffen einer mehrheitlich weißen Gesellschaft

Guten Morgen liebe Hessen,

In Deutschland ist der Rassismus allgegenwärtig. In vielen Gaststätten steht immer noch das Zigeunerschitzel auf der Speisekarte, im Getränkemarkt bekommt man das Mohren-Bräu und das früher als Mohrenkopf bezeichnete Gebäck heisst heute zwar anders, ist aber immer noch schwarz. Und selbstverständlich ist in der U-Bahn das Schwarzfahren nach wie vor verboten.

Den Älteren ist der Sarotti-Mohr als Werbefigur des Schokoladenherstellers noch gut in Erinnerung. Der trat schon in den fünfziger Jahren im Schwarz(!)-weiss-Fernsehen auf, um für die Produkte von Sarotti zu werben („vielen Dank, singt man im Chor – vielen Dank, Sarotti-Mohr“). Als Werbeträger ist er zwar schon lange nicht mehr aktiv, aber es gibt ihn natürlich noch – z.B. im Kölner Schokoladen-Museum und im Mannheimer „Capitol“. Dort blieb er auch und wurde bis vor Kurzem nur wenig beachtet. Das hat sich geändert. Seit Monaten sehen sich die Betreiber der Einrichtung dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt. Der Mohr soll entfernt werden.

Die Forderung geht von der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (IDS-Bund e.V.) aus. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht die Interessen Schwarzer Menschen in Deutschland zu vertreten und „rassistische Diskriminierung, Benachteiligungen und Ausbeutung aufzuzeigen“. Der Verein wurde vor etwa 30 Jahren gegründet, „um aus der damals erlebten Isolation einer mehrheitlich weißen Gesellschaft herauszutreten“. Was die Initiatoren dazu bewogen hat, aus einer mehrheitlich schwarzen Gesellschaft in eine mehrheitlich weiße Gesellschaft zu wechseln, verraten sie nicht. Aber dass man als Schwarzer unter Weißen auffällt, dürfte ihnen bewusst gewesen sein.

Und in dieser weißen Gesellschaft missfällt ihnen offensichtlich einiges. Zum Beispiel der Sarotti-Mohr. Der sei rassistisch und zeige Kolonial-rassistische Präsenz im Stadtbild. Und deshalb wird gefordert, „die Werbeanlage mit dem Sarotti-M. sofort abzuhängen“.

Kein Einzelfall. Vor wenigen Monaten tobte in Frankfurt über mehrere Wochen eine ähnliche Debatte. Da hatte die Kommunale Ausländervertretung (KAV) gefordert, die beiden Mohren-Apotheken der Stadt umzubenennen. Im Antrag wird gefordert, „dass die beiden rassistischen Bezeichnungen, bzw. Logos, „Mohren-Apotheke“ sowie „Apotheke zum Mohren“ aus dem Stadtbild Frankfurts verschwinden“ sollen. Ähnlich erging es dem Mainzer Dachdeckermeister Thomas Neger, der zwar nicht seinen Namen ändern sollte, dafür aber sein „rassistisches“ Logo an seinen Baugerüsten. Das hatte schon sein Großvater Ernst Neger entworfen, einem breiten Publikum als Sänger im Mainzer Karneval („Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“) bekannt. Ernst Neger dürfte heute wohl alleine wegen seines Namens nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftreten.

Die Debatte zeigt beispielhaft die Integrationsbereitschaft einiger Zuwanderer, die in diesem Land Aufnahme und soziale Sicherung gefunden haben, weil sie in ihrer Heimat verfolgt wurden oder keine Perspektive hatten. Wer sich hier ständig beklagt, rassistisch diskriminiert zu werden und darunter leidet, dass es Sarotti-Mohren, Mohren-Apotheken und Handwerker mit dem Namen Neger gibt, sollte überlegen, ob er nicht einfach dorthin geht, wo er nicht diskriminiert wird.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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