Vielfältige und multiethnische Staaten – fast alle gescheitert

Guten Morgen
liebe Hessen,

Die
verantwortlichen Politiker betonen immer wieder, wie wichtig Zuwanderung sei
und dass das Modell der multikulturellen und multiethnischen „bunten und
vielfältigen“ Gesellschaft das Idealbild des Zusammenlebens sei. Mit dem Slogan
„Vielfalt statt Einfalt“ wird versucht, jede andere Form einer Gesellschaft zu
diskreditieren – insbesondere die, die sich durch eine ethnische und kulturelle
Homogenität auszeichnet. Warum das so sein soll, wird nie näher erläutert oder
begründet. Es ist auch kein Grund ersichtlich, warum eine möglichst heterogene
und „bunte“ Gesellschaft besser sein sollte als eine weniger homogene und
monochrome.

Und da hilft –
wie so oft – ein Blick in die Geschichte. Dabei muss man nicht einmal sehr weit
zurückgehen – 100 Jahre reichen bereits aus. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es
z.B. in Europa und der angrenzenden Region zwei große multiethnische Staaten: die
Donaumonarchie und das Osmanische Reich. Die Donaumonarchie umfasste 11
verschiedene Nationalitäten und wurde am Ende nur noch durch die Person des
Kaisers zusammengehalten, der für alle als Identifikationsfigur diente und der
zu allen seinen Untertanen in der jeweiligen Sprache sprechen konnte. Mit dem
Tod des Monarchen 1916 und dem Ende des Ersten Weltkrieges zwei Jahre später war
das Reich am Ende und zerfiel in mehrere Einzelstaaten, v.a.
Deutsch-Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen und Rumänien.
Ähnlich war es beim Osmanischen Reich. Auch das zerfiel nach Ende des Ersten
Weltkrieges in die Einzelstatten Türkei, Irak, Jordanien, Syrien, Palästina und
Bulgarien. Die Gründe dafür sind bekannt: die Bürger des multiethnischen
Staates empfanden sich immer primär als Angehörige ihrer Nation, also als Ungarn,
Polen, Tschechen oder Serben. Sie haben sich nur selten mit dem multiethnischen
Staat identifiziert – alleine schon deshalb, weil der keine einheitliche
Sprache hatte.

Und obwohl das
alles bekannt war, wurden die Fehler nach dem Ersten Weltkrieg wiederholt:
durch die Gründung des ebenfalls multiethnischen Staates Jugoslawien und der
Sowjetunion. Beide Staaten zerfielen Anfang der neunziger Jahre. Bei der
Sowjetunion lief das weitgehend friedlich ab, bei Jugoslawien weniger. Ergebnis
war aber in beiden Fällen eine Abspaltung der einzelnen Nationen. Und selbst
die Tschechoslowakei zerfiel in ihre beiden Bestandteile, obwohl die Bürger
beider Länder kulturell und sprachlich sehr eng verwandt sind.

In Europa gibt
es eigentlich nur zwei multiethnische Staaten, die funktionieren: Belgien und
die Schweiz. In Belgien gibt es zwar hin und wieder Bestrebungen der
Separation, aber der Staat funktioniert halbwegs. In der Schweiz leben drei
bzw. vier Nationalitäten seit 500 Jahren problemlos miteinander. Das hat sicher
historische Gründe, da es der Schweiz gelungen ist, neutral zu bleiben und sich
aus allen Konflikten herauszuhalten. Das eint die Bürger mehr als die
unterschiedlichen Sprachen sie trennen. Das ist aber der einzige Fall eines
funktionierenden multiethnischen Staates.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

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