Vorsprung durch Gendern? Mitarbeiter fühlt sich durch neue Ansprache des Autobauers diskriminiert

Guten
Morgen liebe Hessen,

Die
„gendersensible“ Sprache greift wie eine Pandemie um sich. Inzwischen verfassen
nicht nur öffentliche Stellen jede Menge Leitlinien und Anweisungen für die
Anwendung der geschlechtergerechten Sprache, sondern auch zunehmend
Unternehmen. Wie z.B. der Autobauer Audi. Der führte kürzlich „die
gendersensible Sprache ein“, um „auch in der Kommunikation ein Zeichen für
Gleichberechtigung“ zu setzen. In einer Unternehmensrichtlinie wird genau
beschrieben, „dass alle Geschlechter und geschlechtlichen Identitäten
gleichwertig und wertschätzend angesprochen werden sollen“. Denn – so die
„Vorständin“ für Personal und Organisation – „Wertschätzung, Offenheit,
Verantwortung und Integrität sind die Basis unserer Unternehmenskultur“ (1).

Zur
Begründung wird ausgeführt, dass die geschlechtliche Vielfalt in der Sprache
durch die Verwendung des generischen Maskulinums meist nicht sichtbar wird.
Daher gebe es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, schriftlich gendersensibel zu
kommunizieren: zum einen mithilfe von neutralen Formulierungen – wie
„Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter“ oder „Führungskraft“ statt „Chef“ oder
durch Verwendung des sogenannten Gender-Gaps: z.B. Mitarbeiter_innen. Dadurch
werden „alle nicht-binären Geschlechtsidentitäten zwischen Mann und Frau“
repräsentiert. Damit alle „Audianer_innen“ auf diesem Weg unterstützt werden,
hat „ein bereichsübergreifendes Projekt-Team einen Leitfaden erstellt und eine
eigene Intranet-Seite eingerichtet“, auf der alle wichtigen Informationen, ein
Glossar mit Anwendungsbeispielen sowie ein Animationsfilm zum Thema zu finden
sind (1).

Vermutlich
haben die meisten „Mitarbeitenden“ aller Geschlechter die Leitlinie mehr oder
weniger gleichgültig zur Kenntnis genommen in der Absicht, an ihrer bisherigen
Sprache zukünftig nichts zu ändern. Viele Mitarbeiter sind von der Leitlinie
vermutlich auch kaum betroffen, da sich ihre firmeninterne Kommunikation auf
die Übermittlung technischer Details beschränkt, wo die Gendersprache (bislang)
noch nicht Einzug gehalten hat. Vielleicht wird bei Audi aber demnächst von
„Anlasser_innen“, „Bremskraftverstärker_innen“ oder „Wagenheber_innen“
gesprochen. Das wollte der Audi-Mitarbeiter Dr. Alexander B. jedoch nicht
abwarten. Denn der hat wegen des Leitfadens gleich gegen seinen Arbeitgeber
geklagt, weil er sich von dessen „gendersensibler Sprache“ ausgegrenzt sieht.
Seine Klage begründet er damit, dass mit dem Leitfaden „massiv in die freie
Persönlichkeitsentfaltung eingegriffen“ wird. Der Kläger sieht den „Schutz der
geschlechtlichen Identität“ gefährdet, weil die Gender-Richtlinie unausgewogen
und männerfeindlich sei. Denn in den von Audi vorgegebenen Varianten „Ärzt_in“
oder „Anwält_in“ findet sich überhaupt kein männlicher Wortstamm mehr – also
„Arzt“ oder „Anwalt“. Das Landgericht Ingolstadt hat die Klage zugelassen (2).
Auf den Ausgang des Rechtsstreits darf man gespannt sein. Egal wie das
Landgericht entscheidet: vermutlich wird die unterlegene Partei in Revision
gehen und so wird der Fall möglicherweise irgendwann einmal vor dem
Bundesverfassungsgericht landen.

Ihr
Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1)
https://www.audi-mediacenter.com/de/pressemitteilungen/sprache-fuer-mehr-vielfalt-audi-gendert-13775

(2) https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/audianer_innen/

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