WEDER JOBERHALT NOCH „RÜCKFLUG-GARANTIE“: Millarden an Lufthansa ohne Gegenleistung

Guten Morgen liebe Hessen,

Jede Wirtschaftsbranche hat ihre spezifischen Risiken. Wer Zigaretten herstellt, der spekuliert darauf, dass möglichst viele Leute rauchen und die zahlreichen Tabak-Toten möglichst schnell durch neue Raucher ersetzt werden. Wenn dann kaum noch jemand anfängt zu rauchen, weil die Werbung verboten oder die Tabaksteuer erhöht wird, ist das das Risiko der Tabakhersteller. Oder Hersteller von Antibiotika. Die hoffen, dass sich möglichst viele Menschen mit den sensiblen Erregern infizieren. Tun sie das nicht oder sind die Erreger resistent geworden, ist es das Risiko des Herstellers, wenn er auf seiner Ware sitzenbleibt. Das gilt allgemein für jede Branche. Auch für den Luftverkehr. Auch der hat spezifische Risiken. Zum Beispiel das Wetter. Wenn ein Flughafen wegen Gewitter geschlossen ist und die Flüge umgeleitet werden, ist das das Risiko der Fluggesellschaften. Genauso wie ein Fluglotsenstreik oder der Entzug von Überflugrechten wegen einer kriegerischen Auseinandersetzung oder ein Anstieg des Ölpreises. Und auch eine Pandemie mit entsprechenden Grenzschließungen und Flugverboten ist ein spezifisches Risiko der Branche, das sie selbst tragen muss.

Theoretisch jedenfalls. Denn hier greift der Staat ein, indem er ein Unternehmen mit einem Börsenwert von € 4 Mrd. mit mehr als der doppelten Summe unterstützt. Und das ohne wesentliche Gegenleistung. Nicht einmal der Erhalt der Arbeitsplätze wird garantiert. Im Gegenteil: mehr als 20.000 Jobs sollen wegfallen. In gewisser Wese konsequent, da sich die Marktsituation entscheidend geändert hat: die Nachfrage ist eingebrochen und wird voraussichtlich sehr lange auf einem niedrigen Niveau verbleiben. Denn die Verbraucher sind kritischer geworden und fragen sich heute immer öfter, ob sie angesichts der spezifischen Risiken einen Flug antreten wollen. Denn die Corona-Krise hat gezeigt: beim Flug kann man nicht nur abstürzen (was extrem unwahrscheinlich ist), sondern auch stranden (was deutlich wahrscheinlicher ist). Heisst konkret: man sitzt im fremden Land fest und kommt nicht mehr zurück in die Heimat. Und manche kamen von ihrem Urlaubsdomizil nicht einmal mehr an einen Flughafen. Und das ganze in einem Land ohne jede Infrastruktur. Das schreckt viele ab – selbst wenn der Flug extrem billig ist.

Doch der Lufthansa-Chef hat hier eine „Lösung“ parat: die „Rückflug-Garantie“. Damit will die Airline Sorgen vor Reisen in der Corona-Krise entgegentreten und die Nachfrage nach Privatreisen erhöhen. Dazu der LH-Chef: „Wer zurückwill nach Deutschland, den bringen wir zurück. Sei es, weil er wegen erhöhter Temperatur am Zielort nicht einreisen darf, er dort in Quarantäne müsste oder weil im Gastland das Virus ausbricht – für alle diese Fälle wird es eine abgesicherte Rückflug-Garantie geben“. Weitere Details nannte er nicht (1). Er wird wissen, warum: eine solche „Garantie“ ist das Papier nicht wert, auf der sie steht. Der LH-Chef kann zwar über Fluggerät und Personal verfügen, aber das reicht nicht. Denn ob ein Flieger irgendwo auf der Welt landen darf, entscheiden die dortigen Behörden. Und auch darüber, ob und unter welchen Bedingungen Passagiere an Bord gehen dürfen oder nicht. Und gerade die Corona-Erfahrung hat gezeigt: wenn Luftraum und Flughäfen gesperrt sind, nutzt eine „Rückflug-Garantie“ nichts. Das weiss der LH-Chef natürlich. Und er hofft, dass es die Verbraucher nicht merken.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.gmx.net/magazine/panorama/lufthansa-chef-spohr-kuendigt-rueckflug-garantie-corona-krise-34770000

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