Weder rassistisch noch unzeitgemäß: Darstellung von Schwarzen durch Schwarze oder durch geschminkte Weiße

Guten Morgen liebe Hessen,

Am 6. Januar ist der Tag der Heiligen Drei Könige. An diesem Tag ist in vielen katholischen Gegenden die Tradition des Dreikönigsingens – auch Sternsingen genannt – üblich. Die Sternsinger gegen dabei von Haus zu Haus, singen ein Lied und sammeln Geld von den Bewohnern – meist für kinderbezogene Projekte im Rahmen der weltweiten Entwicklungszusammenarbeit. So weit, so gut. Nun wird jedoch bereits seit dem 16. Jahrhundert einer der drei Könige – vermutlich als Repräsentant Afrikas – mit dunkler Hautfarbe dargestellt. Um diesem Vorbild zu entsprechen, ist einer der Sternsinger häufig schwarz geschminkt.

Eigentlich harmlos und nicht zu beanstanden. Dass ein dunkelhäutiger Mensch als Vertreter des schwarzen Kontinents von einem Weißen durch Färben des Gesichts dargestellt wird, erscheint logisch. Auch Othello, der „Mohr von Venedig“ wird im gleichnamigen Bühnenstück von Shakespeare durch einen geschminkten Weißen dargestellt, wenn kein dunkelhäutiger Darsteller zur Verfügung steht (soweit das Stück überhaupt noch aufgeführt wird).

Doch die Tradition des Einfärbens von Gesichtern missfällt der „Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland“. Diese kritisiert, dass sich Kinder das Gesicht schwarz anmalen, wenn sie am 6. Januar als Sternsinger Spenden sammeln. Dazu der Sprecher der Organisation und Referent für Anti-Rassismus und Dekolonisierung, Tahir Della: „Schwarze Menschen werden so auf ihre Hautfarbe und äußeren Merkmale reduziert“ (1). Einen ähnlichen Streit kann man jedes Jahr in den Niederlanden Anfang Dezember beobachten. Da tritt regelmäßig der Nikolaus auf, dem ein dunkelhäutiger Gehilfe assistiert – der „Zwarte Piet“ (schwarzer Peter). Ebenso harmlos wie die Sternsinger. Und wie der schwarze König ist auch der Zwarte Piet in keiner Weise negativ konnotiert – im Gegenteil: er ist bei den Kindern äußerst beliebt, weil er im Auftrag des Nikolaus die zahlreichen Geschenke herbeischleppt und verteilt. Trotzdem wird die Tradition von Vertretern Dunkelhäutiger als rassistisch kritisiert und die Abschaffung des Brauchs gefordert (2). Für Tahir Della ist das Schminken rassistisches „Blackfacing“. Denn es sei „unzeitgemäß, Andersartigkeit überhaupt darstellen zu wollen“ (1).

Was meint Della mit „Andersartigkeit“ und mit „unzeitgemäßer“ Darstellung? Fakt ist, es gibt Unterschiede bei Menschen: es gibt Männer, Frauen und Diverse, es gibt alte und junge, es gibt große und kleine, es gibt dicke und dünne, es gibt intelligente und dumme, es gibt behinderte und nicht-behinderte – und eben auch hellhäutige und dunkelhäutige Menschen. Fakt ist weiterhin: in einer homogenen Gruppe von Menschen, denen ein bestimmtes Merkmal gemeinsam ist, wird eine Person mit einem abweichenden Merkmal als andersartig wahrgenommen. In einer Gruppe von Frauen fällt ein Mann auf, in einer Gruppe von Alten ein Jugendlicher, in einer Gruppe von Sumo-Ringern ein Geräteturner, in einer Gruppe von Nobelpreisträgern ein Sonderschüler – und eben in einer Gruppe von Weißen ein Schwarzer. Personen mit abweichendem Merkmal werden von den Mitgliedern einer ansonsten bezüglich dieses Merkmals homogegen Gruppe als fremd und andersartig empfunden.

Und selbstverständlich wird diese Andersartigkeit auch als solche dargestellt. Ist in einem Theaterstück oder einem Film ein Großvater zu spielen, wird der von einem älteren Mann dargestellt. Verlangt das Drehbuch eine junge Frau, wird sie von einer jungen Schauspielerin gespielt, der Riese wird von einem langen und der Zwerg von einem kleinen Schauspieler dargestellt. Und ein Schwarzer von einem Schwarzen – oder falls nicht vorhanden – von einem geschminkten Weißen. Das ist weder rassistisch noch unzeitgemäß.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2020/blackfacing-initiative-schwarze-menschen-kritisiert-sternsinger/
(2) https://epaper.faz.net//webreader-v3/index.html#/461183/6-7

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