WEIL EIN OPFER ÜBERLEBTE: Flüchtling bedauert Messerangriff auf schwules Paar

Guten Morgen liebe Hessen,

Derzeit steht der 21-jährige Abdullah Al H. wegen Mordes und versuchten Mordes vor dem Oberlandesgericht Dresden. Er ist angeklagt, im Oktober 2020 zwei Touristen – Thomas L. († 55) und Oliver L. (53) – mit einem Messer angegriffen und einen von ihnen getötet zu haben. Der Angeklagte war 2015 als „unbegleiteter Minderjähriger“ eingereist und bekam den Flüchtlingsstatus zuerkannt. Doch bereits in der Asylbewerberunterkunft warb er Gefolgsleute für den ISIS an und bedrohte „Ungläubige“, z.B. einen Mitflüchtling christlichen Glaubens: „Ich schlachte dich heute. Du hast eine große Klappe und ich werde deine Zunge abschneiden, du Christ“ (1). 2018 wurde er durch das Oberlandesgericht Dresden wegen Propaganda für den IS zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Eine Abschiebung nach Syrien erfolgte wegen des dort herrschenden Kriegszustandes nicht. Fünf Tage nach seiner Haftentlassung beging Abdullah Al H. seine Tat in Dresden (2).

Vor Gericht möchte sich der Angeklagte nicht äußern, aber er hat dem psychiatrischen Gutachter bereitwillig Auskunft über seine Tat und deren Motivation gegeben. Der Angeklagte hatte demnach schon während seiner Haftzeit geplant, „Ungläubige zu töten“. Dabei bezog er sich auf eine Sure aus dem Koran, wonach man auf dem Wege Gottes jene bekämpfen soll, die einen selbst bekämpfen, z.B. Homosexuelle als Feinde Gottes. Der Angeklagte sah die beiden von ihm angegriffenen Touristen als „Repräsentanten einer vom ihm als ungläubig abgelehnten freiheitlichen und offenen Gesellschaftsordnung“ an (3). Nach seiner Auffassung müssten Homosexuelle „entweder geschlagen oder getötet werden“ (4). Auf den Gutachter wirkte der Angeklagte „sehr ruhig und abgeklärt, als wäre seine Tat das Normalste der Welt“ (1). Er habe sich durch einen Schwur gegenüber Gott verpflichtet gefühlt, die Tat auszuführen (6). Die Tat sei „kein Fehler gewesen“, jedoch habe er sich „nicht ausreichend beraten“, um sie „richtig“ auszuführen. Er bedauerte, dass nicht beide Opfer bei dem Angriff starben (5).

Der Vorsitzende Richter Hans Schlüter-Staats glaubt an eine „Resozialisierung“ des Täters. Daher verpflichtete er die Medien zu einer Anonymisierung des Angeklagten, damit keine „Prangerwirkung“ entstehen könne, die eine „Resozialisierung erheblich erschweren“ würde (1). Dabei ist offensichtlich, dass der Täter nicht resozialisiert werden kann, da er im Sinne unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nie sozialisiert wurde, sondern nur in einer Gesellschaft, in der Homosexuelle als Feinde Gottes getötet werden dürfen. Und in einer Gesellschaft, in der Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, muss er nicht resozialisiert werden, da er nicht gegen deren Regeln verstoßen hat.

Die Bundesfamilienministerin beklagte im November 2020 dass „die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität leider vielerorts noch traurige Realität“ sei und forderte, dass „eine homophobe Rhetorik der Europäischen Union nicht akzeptiert werden“ dürfe (7). Wichtigstes Problem der Ministerin scheint somit die „homophobe Rhetorik“ – mithin also Beleidigungen von Homosexuellen – zu sein. Dabei wäre es den beiden Opfern von Abdullah Al H. wahrscheinlich weniger wichtig gewesen, durch die Bundesregierung vor homophober Rhetorik geschützt zu werden als vielmehr vor einem gläubigen Messerstecher, der glaubte, den göttlichen Tötungsbefehl umsetzen zu müssen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/regional/dresden/dresden-aktuell/isis-killer-von-dresden-er-toetete-weil-sich-seine-opfer-an-den-haenden-hielten-76044824.bild.html
(2) https://www.bild.de/news/inland/news-inland/5-tage-nach-haftentlassung-stach-er-zu-warum-wurde-der-messer-moerder-nicht-abge-73529096.bild.html
(3) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/468613/6-7
(4) https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/prozess-auftakt-islamist-messerangriff-homophobes-motiv100.html
(5) https://www.tag24.de/justiz/gerichtsprozesse-dresden/messer-mord-von-dresden-angeklagter-bedauert-dass-nicht-beide-opfer-starben-1917573
(6) https://www.welt.de/vermischtes/article230183317/Mordprozess-in-Dresden-Syrer-soll-Mann-mit-Messer-erstochen-haben.html
(7) https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/livestream-rechte-von-homo-bi-trans-und-intersexuellen-staerken-162414

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