WEIL SIE SICH VON IHM TRENNTE: Alim K. schnitt schwangerer Ex-Freundin Kehle durch

Guten Morgen liebe Hessen,

Die BILD-Zeitung titelte kürzlich: „Schwangere mit durchschnittener Kehle im Laub gefunden“ (1). An dieser Stelle entsteht wahrscheinlich bei vielen Lesern subkortikal und in Sekundenbruchteilen die dazugehörige Story: Täter ist der Vater des Kindes, der sich mit der werdenden Mutter gestritten hat. Entweder weil er das Kind nicht wollte oder weil sie es nicht wollte. Oder weil sie ihm angekündigt hatte, sie zu verlassen. Eine Situation, wie sie in Deutschland täglich mehrfach vorkommen dürfte und die oft in unschönen Szenen mit verbalen Beleidigungen endet. Im Ergebnis einigen sich dann die beiden oder nicht, im letzteren Fall trennen sie sich dann einfach und das wars. Hier liegt der Fall jedoch anders. Die Frau wurde offensichtlich im Verlauf des Streits getötet. Aber nicht erschossen oder vergiftet, sondern durch das Durchtrennen der Kehle. Und da lässt wiederum Vermutungen bezüglich des Täters aufkommen – genauer des kulturellen Hintergrunds. Denn es gibt Kulturen, in denen die Verletzung der Ehre nur durch Tötung des Ehrverletzers wiederhergestellt werden kann. Und die Ehre ist schnell verletzt. Da genügt ein beleidigender Blick oder die Weigerung einer Frau, den Befehl des Mannes oder dessen Familie nicht zu befolgen. Damit ist die Ehre verletzt und der Verletzer wird getötet. Aber nicht irgendwie, sondern mittels Durchschneidens der Kehle. Und so entsteht bereits beim Lesen der BILD-Überschrift die komplette Story, ohne dass man auch nur eine Zeile des Textes gelesen oder eines der schönen bunten Fotos betrachtet hat.

Eigentlich könnte man sich den Artikel sparen, aber man liest ihn natürlich doch – und sei es um seine Vermutung bestätigt zu sehen. Und so erfährt man, dass die 22-jährige Juvy-Ann aus Hamm sterben musste, weil sie ihren Freund verließ. Denn dieser hatte sie „bedroht, geschlagen und misshandelt“ und „schnitt ihr sogar die Haare ab“. Als sie von ihm schwanger wurde, verlangten seine Eltern die Abtreibung. Das war der jungen Frau zu viel und sie trennte sich von ihm – „ihr Todesurteil“. Er lauerte seiner ehemaligen Freundin auf einem Parkplatz auf, stach 60-mal auf sie ein und, schnitt ihr die Kehle durch. Die Frau verblutete. Die Leiche verstreckte er unter nassem Laub, wo sie die Polizei fand. Die Eltern der getöteten Frau berichteten, dass der Täter ihre Tochter ständig kontrollierte und misshandelte und sie „alle paar Wochen mit Verletzungen“ zu ihnen gekommen war. Der Tatverdächtige – Alim K. (23) – wurde wegen Totschlag in U-Haft genommen (1).

Die unfassbare Tat ist – abgesehen von der BILD – für die Presse kein Thema. Lediglich der Schwarzwälder Bote – weit weg vom Tatort in Hamm – berichtet zurückhaltend über das Tötungsdelikt: „Tatverdächtig ist ein 23 Jahre alter Deutscher aus Bergkamen, der laut Staatsanwaltschaft mit der Frau liiert war“. Die Hintergründe der Tat seien völlig unklar (2). Nicht erwähnt wird, dass der Deutsche mit Vornamen Alim heißt, ein Name türkischer Herkunft mit der Bedeutung: „nett, sympathisch, der Weise, der Gelehrte“. Denn der Leser könnte dann möglicherweise vermuten, dass der Täter einen Migrationshintergrund hat. Und das soll natürlich vermieden werden, um keine Vorurteile oder gar Fremdenfeindlichkeit zu schüren.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/bild-plus/news/inland/news/schwangere-mit-durchschnittener-kehle-im-laub-gefunden-juvy-ann-musste-sterben-w-74923484,la=de.bild.html
(2) https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bluttat-in-hamm-schwangere-22-jaehrige-getoetet-freund-unter-verdacht.932229c5-bdea-4dca-9642-62e563b2a54c.html

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