WEITERE STUFE SPRACHLICHER SÄUBERUNG: Keks-Hersteller Bahlsen nennt nach 60 Jahren „Afrika“ Waffel um

Guten Morgen liebe Hessen,

In diesem Jahr feiern die meisten afrikanischen Staaten den 60. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von den jeweiligen Kolonialmächten. Und genauso lange produziert der Keks-Hersteller Bahlsen in Hannover die „mit viel Schokolade“ überzogenen Waffel-blätter mit der Bezeichnung „Afrika“. Der Name „Afrika“ wurde seinerzeit gewählt, da es sich bei den Produkten um eine von allen Seiten in Schokolade getauchte Waffel handelt und die Elfenbeinküste und Ghana die größten Kakaoproduzenten sind (1). Der Hersteller Bahlsen hat den Produktnamen auch im Markenregister als Wortmarke unter dem Aktenzeichen 396475388 für die Klassen 29 und 30 eintragen lassen („im Extrudierverfahren hergestellte Weizen-, Reis- und Maisprodukte für Nahrungszwecke; Kartoffelchips, Kartoffelsticks; Puffmais; Rosinen, Haselnuß-, Erdnuß-, Cashewkerne, Pistazienkerne und Mandeln, getrocknet, geröstet, gesalzen und/oder gewürzt; getrocknete Früchte; Back- und Konditorwaren, Biskuits, Kuchen, Schokolade, Schokoladenwaren, Pralinen, Zuckerwaren, Bonbons, Marzipan“).

60 Jahre lang hat das niemanden gestört. Die Waffeln erfreuen sich offensichtlich nach wie vor großer Beliebtheit und auch die Bezeichnung „Afrika“ gab keinen Anlass zu Beanstandungen. Nicht einmal die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V., ein Verein, der vehement gegen den „Sarotti-Mohr“ vorgeht, hat sich zu Wort gemeldet. Am 14. Februar 2020 war es dann aber soweit: ein Instagram-Post, der bei hunderten Nutzern für Empörung gesorgt hatte, wurde von der Unternehmensleitung zum Anlass genommen, eine Namensänderung vorzunehmen. Der Schokoladenhersteller gibt sich zerknirscht: „Das Unternehmen distanziert sich von Rassismus und Diskriminierung in jeder Form“ und legt Wert auf die Feststellung, dass der Produktname bei der Markteinführung Ende der 1950er Jahren nicht aufgrund rassistischer Gedanken gewählt wurde. Da einige nunmehr Anstoß an dem Namen nehmen und diesen es jedoch „mit Rassismus assoziieren“, ist für das Unternehmen ein hinreichender Grund, die Waffeln umzubenennen (2).

Damit ist eine weitere Stufe sprachlicher Säuberung erreicht. Nachdem es den „Mohrenkopf“ seit langem nicht mehr gibt, der „Sarotti-Mohr“ verhüllt werden muss und auch die zahlreichen Mohren-Apotheken und Hotels zum Mohren ins Visier der Antirassisten gerieten, ist jetzt der ganze – früher als „schwarz“ bezeichnete – Kontinent an der Reihe. Diese Bezeichnung darf nun nicht mehr verwendet werden – jedenfalls nicht im Kontext mit Schokolade oder der Farbe schwarz.

Bleibt abzuwarten, was als nächstes kommt. Möglicherweise werden alle Berichterstattungen über Afrika verboten – jedenfalls wenn diese negativ sind. Oder Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes (AA) zu Afrika – etwa zu Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents, der eine große kulturelle Vielfalt zeigt: „in Nigeria können in allen Regionen unvorhersehbare lokale Konflikte aufbrechen. Ursachen und Anlässe können politischer, wirtschaftlicher, religiöser, gesellschaftlicher und/oder ethnischer Art sein“. Und weiter: Die Kriminalitätsrate in Nigeria ist sehr hoch. In weiten Teilen des Landes bestehen insbesondere bei Reisen auf dem Landweg unkalkulierbare Risiken für Leib und Leben durch Bedrohung, Erpressung, Raub, Entführung und Mord“. Und deshalb rät das AA: „Vermeiden Sie Nachtfahrten. Bei unvermeidbaren Nachtfahrten nutzen Sie ein gepanzertes Fahrzeug und eine bewaffnete Eskorte (z.B. Mobile Polizei; MoPol)“ (3).

Es gibt noch viel zu tun für die antirassistischen Sprachsäuberer.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.nw.de/lifestyle/netzwelt/22719771_Bahlsen-wird-nach-Rassismus-Vorwuerfen-Produkt-umbenennen.html
(2) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2020/rassismus-vorwuerfe-bahlsen-benennt-afrika-kekse-um/
(3) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/nigeria-node/nigeriasicherheit/205788#content_1

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