WEITERER ERFOLG DER SPRACHSÄUBERER: Keks-Hersteller nennt nach 60 Jahren „Afrika“ Waffel um

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor 60 Jahren wurden die meisten Länder Afrikas in die Unabhängigkeit entlassen. Und genauso lange produziert der Keks-Hersteller Bahlsen in Hannover die „mit viel Schokolade“ überzogenen Waffelblätter mit der Bezeichnung „Afrika“. Der Name „Afrika“ wurde seinerzeit gewählt, da es sich bei den Produkten um eine von allen Seiten in Schokolade getauchte Waffel handelt und die Elfenbeinküste und Ghana die größten Kakaoproduzenten sind (1). Der Hersteller Bahlsen hat den Produktnamen auch im Markenregister als Wortmarke unter dem Aktenzeichen 396475388 für die Klassen 29 und 30 eintragen lassen („im Extrudierverfahren hergestellte Weizen-, Reis- und Maisprodukte für Nahrungszwecke; Kartoffelchips, Kartoffelsticks; Puffmais; Rosinen, Haselnuß-, Erdnuß-, Cashewkerne, Pistazienkerne und Mandeln, getrocknet, geröstet, gesalzen und/oder gewürzt; getrocknete Früchte; Back- und Konditorwaren, Biskuits, Kuchen, Schokolade, Schokoladenwaren, Pralinen, Zuckerwaren, Bonbons, Marzipan“).

60 Jahre lang hat das niemanden gestört. Die Waffeln erfreuen sich offensichtlich nach wie vor großer Beliebtheit und auch die Bezeichnung „Afrika“ gab keinen Anlass zu Beanstandungen. Nicht einmal die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V., ein Verein, der vehement gegen den „Sarotti-Mohr“ vorgeht, hat sich zu Wort gemeldet. Aber dann tauchten in den sozialen Netzwerken einige Kommentare auf, in denen der Kekshersteller wegen des Namens als rassistisch bezeichnet wurde. Und so änderte das Unternehmen kürzlich den Namen von „Afrika“ in „Perpetum“. Begründung: der Bezug zum Rohstoff Kakao und dem Herkunftskontinent werden heute nicht mehr wahrgenommen. Und damit wird die Bezeichnung „Afrika“ automatisch rassistisch. Und „von Rassismus und Diskriminierung distanziert sich das Unternehmen in jeder Form“ (2). Was in der Debatte in den Hintergrund rückte: Bahlsen hatte die Umbenennung zu einer indirekten Preiserhöhung genutzt. Die Füllmenge wurde – bei gleichbleibendem Preis – von 130 auf 97 g gesenkt, was einer Preiserhöhung von 34 Prozent entspricht (3). Was nicht weiter stört, denn Antirassismus hat seinen Preis und wer würde nicht gerne 34 oder 50 Prozent mehr bezahlen, wenn er dafür ein rassismusfreies Produkt bekommt.

Damit ist eine weitere Stufe sprachlicher Säuberung erreicht. Nachdem es den „Mohrenkopf“ seit langem nicht mehr gibt, der „Sarotti-Mohr“ verhüllt werden muss und auch die zahlreichen Mohren-Apotheken und Hotels zum Mohren ins Visier der Antirassisten gerieten, ist jetzt der ganze – früher als „schwarz“ bezeichnete – Kontinent an der Reihe. Diese Bezeichnung darf nun nicht mehr verwendet werden – jedenfalls nicht im Kontext mit Schokolade oder der Farbe schwarz. Möglicherweise muss jetzt der ganze Kontinent umbenannt werden – etwa in „Perpetum“. Da gibt es viel zu tun. Alle Landkarten, Globen und Atlanten müssen geändert werden, alle Bezeichnungen, die den Wortstamm „Afrika“ enthalten – etwa „afroamerikanisch“, „Afro-Shop“, „Afro-Friseur“, „Afro-Look“ oder „Afri-Cola“.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.nw.de/lifestyle/netzwelt/22719771_Bahlsen-wird-nach-Rassismus-Vorwuerfen-Produkt-umbenennen.html

(2) https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2020/rassismus-vorwuerfe-bahlsen-benennt-afrika-kekse-um/

(3) https://www.welt.de/vermischtes/article231911883/Bahlsen-nennt-Waffel-Afrika-nach-Rassismus-Kritik-um-und-verringert-Menge.html

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