Wenn Gendersprache – dann konsequent. Bundesministerin: „Patientinnen und Patienten müssen vor Ärzten geschützt werden“

Guten Morgen liebe Hessen,

Als Mitglied der zuständigen Ärztekammer erhält man jede Woche die aktuelle Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes. Wenn man Zeit hat, liest man dann auch den einen oder anderen Beitrag. Und dabei stellt man immer wieder fest, dass alle Autoren versuchen, „geschlechtergerecht“ zu formulieren, d.h. geschlechtsgetrennte Bezeichnungen zu verwenden – z.B. „Ärzte und Ärztinnen“ bzw. „Patienten und Patientinnen“. Das erfolgt aber in aller Regel inkonsequent und nicht durchgängig, was dann zwangsläufig zu sprachlichen Missverständnissen führt. Denn wenn am Anfang eines Beitrages geschlechtergetrennt formuliert wird („Ärztinnen und Ärzte“), im weiteren Verlauf dann nicht mehr („Ärzte“), weiß der Leser nicht, ob mit dem Begriff „Ärzte“ dann tatsächlich nur (männliche) Ärzte gemeint sind, nicht aber Ärztinnen, oder ob der Autor einfach die „Ärztinnen“ vergessen hat. Das ist für den Leser lästig, da er den Autor nicht fragen kann.

So findet sich z. B. in einem Beitrag zum Thema Ärzte im Praktikum folgende Bildunterschrift: „ab 1. Oktober werden Ärztinnen und Ärzte im Praktikum mit den Assistenzärzten finanziell gleichgestellt“. Soll das nun bedeuten, dass die Ärztinnen und Ärzte im Praktikum den (männlichen) Assistenzärzten gleichgestellt werden, nicht aber den Assistenzärztinnen ? Oder hat der Autor einfach vergessen, die Assistenzärztinnen zu erwähnen ?

In einem anderen Artikel über die Anwendung der Folter liest man folgendes: „Im schlimmsten Fall lassen sich Ärztinnen und Ärzte zu Helfershelfern degradieren“. Hier fragt sich der Leser, wie Ärztinnen zu Helfershelfern degradiert werden können. Und wenn, müsste es dann nicht sprachlich korrekt Helferinnen- und Helfershelfer heissen – oder noch korrekter: Helferinnen- und Helfershelferinnen und Helferinnen- und Helfershelfer ? Im weiteren Text wird festgestellt, dass in der Deklaration von Tokio eindeutig festgelegt wurde, dass „der Arzt“ die Anwendung von Folter weder dulden noch gutheißen kann. Bedeutet das dann, dass nach der Deklaration den Ärztinnen dann erlaubt ist, sich an Folterungen zu beteiligen ?

In einem weiteren Artikel liest man, dass mit einer bestimmten Therapie „Patientinnen und Patienten“ behandelt wurden und dass bei einer bestimmten Anzahl von „Patienten“ dann eine Besserung eingetreten sei. Soll der Leser daraus schließen, dass dieses Verfahren nur für männliche Patienten geeignet ist, bei Patientinnen aber versagt ?

Eine Bundesgesundheitsministerin sagte einmal im Zusammenhang mit ärztlichen Kunstfehlern: „die Patientinnen und Patienten müssen vor den Ärzten geschützt werden“. Meint die Ministerin damit, dass Ärztinnen keine Kunstfehler machen oder – wenn doch – dass die Patienten vor diesen nicht geschützt werden müssen ?

Ähnliche Beispiele finden sich bei praktisch allen Autoren, die sich bemühen, geschlechtergerecht zu formulieren. So gut wie niemand hält das Gendern konsequent bis zum letzten Satz durch. Wird in den ersten Sätzen noch penibel auf die korrekte Formulierung geachtet, lässt dies spätestens in der Mitte des Textes nach. Und im letzten Drittel des jeweiligen Beitrages gleiten dann alle Autoren in das übliche Sprachmuster ab. Wenn man aber tatsächlich „geschlechtergerecht“ formulieren möchte, muss man den Unsinn auch konsequent bis zum letzten Satz durchhalten.

Oder man wählt einfach die intelligente Lösung, nämlich eine Fußnote mit dem Gender-Hinweis: „Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet“.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

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