WERTVOLLER ALS GOLD: Landrat bringt Asylbewerber in Villa „im Millionärsviertel“ unter

Guten Morgen liebe Hessen,

Vor einigen Jahren – auf dem Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ – behauptete der damalige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz: „Was die Flüchtlinge uns bringen, ist wertvoller als Gold“ (1). Für diesen Satz musste er viel Kritik und – vor allem aus dem rechten Lager – viel Spott einstecken. Kaum jemand war bereit, das Potential der Flüchtlinge – teilweise ironisch als „Goldstücke“ bezeichnet – zu erkennen oder gar anzuerkennen. Und entsprechend schäbig war die Behandlung der vielen Zuwanderer. Sie wurden in der ersten Zeit ihres Aufenthaltes in Deutschland in Sammelunterkünften untergebracht, die teilweise nicht einmal Jugendherbergs- oder Kasernenniveau erreichten. Da mussten junge Männer gemeinsam in Zwei- oder Vierbettzimmern hausen, obwohl sie sich überhaupt nicht kannten. Schlimmer: sie stammten teilweise aus verschiedenen Ländern, sprachen unterschiedliche Sprachen und gehörten unterschiedlichen Glaubensrichtungen an – z.B. Sunniten und Schiiten. Und natürlich wurde seitens der Gastgeber auf persönliche Wünsche keine Rücksicht genommen. Da konnte es dann schon einmal passieren, dass einer der Gäste das Flüchtlingsheim abfackelte, weil es keinen Schokopudding gab. So geschehen im Juni 2016, als der 26-jährige Hamza aus Casablanca Schnaps auf der Matratze seines Bettes verschüttete und anschließend anzündete. Dabei hatte sich der Marokkaner im Asylverfahren extra als Syrer ausgegeben, um nicht benachteiligt zu werden (2).

Doch diese schäbige Behandlung unserer Gäste hat jetzt – endlich (!) – ein Landrat aus dem bayerischen Ebersberg beendet. Er hat in der Kreisstadt für die Unterbringung der Gäste eine angemessene Bleibe gefunden: eine Villa „im Millionärsviertel“ der Stadt in der Ignaz-Perner-Straße 12. Es handelt sich um ein Anwesen mit 250 qm Wohnfläche auf einem parkähnlichen, etwa 1.700 qm großen Grundstück mit repräsentativer Vorfahrt. Dort sollen 12 bis 14 „Schutzsuchende“ untergebracht werden – vermutlich alles „junge Männer“, die das inzwischen sprichwörtliche „wertvoller als Gold“ mitbringen. Ein Sprecher des Landratsamtes bestätigte die entsprechende Meldung der Presse und fügte hinzu, dass eine Begehung der Villa bereits stattgefunden habe. Dabei sei u.a. beschlossen worden, „die wertvollen Böden in dem Haus durch geeignete Maßnahmen zu schützen“ (3).

Bisher befanden sich die Unterkünfte von „Schutzsuchenden“ meist in ärmeren Stadtvierteln oder gar Industriegebieten, was der gewünschten „Durchmischung“ und der Integration nicht gerade förderlich ist. Der Landrat von Ebersberg setzt mit der Anmietung einer Villa im „Millionärsviertel“ ein deutliches Zeichen: der Platz der Zuwanderer ist nicht irgendwo in den Randgebieten, sondern mitten unter uns und mitten unter den Begüterten. Und vermutlich wird sich die neue Gastfreundschaft der Deutschen weltweit schnell herumsprechen. Die neuen Bewohner werden sicher zahlreiche Fotos ihrer neuen Bleibe an die Daheimgebliebenen posten und die noch Zögernden motivieren, endlich auch nach Deutschland aufzubrechen. Also endlich mal eine gute Nachricht in den schlechten Corona-Zeiten.

Immerhin ist noch eine Steigerung möglich – gerade im reichen Bayern: da gibt es stattliche Anwesen am Tegernsee oder dem Starnberger See. Da könnten die „Schutzsuchenden“ sogar in direkter Nachbarschaft eines echten Königs – wenn auch nur des Königs von Thailand – residieren. So funktioniert Integration!

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Was-die-Fluechtlinge-uns-bringen-ist-wertvoller-als-Gold-_arid,198565.html
(2) https://www.express.de/news/panorama/feuer-in-duesseldorf-fluechtlingsheim-abgefackelt–weil-es-keinen-schokopudding-gab-24198384?cb=1607349856927
(3) https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/ebersberg-ort28611/asylsuchende-villa-millionaersviertel-bayern-ebersberg-buergermeister-weiss-nicht-bescheid-ulrich-proske-90119358.html

Weitere interessante Beiträge

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren