WHO-Chef fordert Impfstop für „reiche Länder“, Entwicklumgsländer müssten nun zum Zug kommen

Guten Morgen liebe Hessen,

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – Tedros Adhanom Ghebreyesus – kritisierte die Planungen verschiedener Industriestaaten, ihren Bevölkerungen ab Herbst Corona-Auffrischimpfungen anzubieten und forderte, diese Impfungen auszusetzen, solange viele ärmere Länder auf Impfdosen für die Erstimpfung warten: „Wir können nicht hinnehmen, dass Länder, die bereits den Großteil des weltweit verfügbaren Impfstoffs verwendet haben, jetzt noch mehr verwenden“. Die UN-Organisation kritisiert bereits seit längerem die ungleiche Verteilung von Impfstoffen: „Wir brauchen eine dringende Umkehr davon, dass der Großteil der Impfstoffe an reiche Länder geht“ – so der Präsident. Nach seinen Vorstellungen soll jedes Land bis Mitte 2022 70 Prozent seiner Bevölkerung geimpft haben (1).

Tatsächlich ist die Verteilung der Impfungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Bislang wurden in reichen Ländern im Durchschnitt etwa 100 Impfstoffdosen pro 100 Einwohner verabreicht, in den 29 ärmsten Ländern der Welt – meist Länder in Afrika – sind es weniger als 2 Impfdosen pro 100 Einwohner (2).

Sicher muss es Ziel sein, weltweit möglichst viele Personen zu impfen. Angesichts einer Weltbevölkerung von 8 Milliarden Menschen und einer begrenzten Produktionskapazität sowie begrenzten Kapazität von sachgerechtem Transport und Lagerung des Impfstoffes wird es längere Zeit dauern, bis dieses Ziel erreicht wird. Insoweit stellt sich eigentlich nur die Frage nach der Reihenfolge, mit der die Impfungen vorgenommen werden. Innerhalb einzelner Staaten wurde diese nach Prioritätsgruppen festgelegt: Alte und Kranke zuerst, dann Einsatzkräfte und unverzichtbares Personal und zuletzt die Jungen und Gesunden. Bei der Zuordnung des Impfstoffes zu den einzelnen Ländern geht es nach den Regeln des Marktes: wer zuerst bestellt und zahlungsfähig ist, erhält den Impfstoff zuerst. Das ist auch verständlich, denn der Impfstoff ist nicht – wie der WHO-Präsident wohl glaubt – Allgemeingut, das allen gleichermaßen zur Verfügung steht, sondern ein Wirtschaftsgut, über das primär der Erfinder und Hersteller verfügt. Denn die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen kostet Manpower und Geld. Und selbst wenn der Lizenzinhaber auf die ihm zustehenden Lizenzgebühren verzichten würde, entstehen erhebliche Kosten für Herstellung und Verteilung.

Darüber macht sich der WHO-Präsident aber offensichtlich keine Gedanken. Nach seiner Auffassung haben die Entwickler und Produzenten des Impfstoffes – allesamt weiße Männer und Frauen aus Industriestaaten – diesen allen anderen zur Verfügung zu stellen. Und selbstverständlich fordert er auch nicht, dass sich Drittweltländer zumindest bemühen, selbst aktiv zu werden und zu versuchen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass zukünftig Entwicklung und Produktion auch in diesen Ländern stattfinden kann. Wozu auch: es ist ja einfacher, Forderungen an die Industrieländer zu stellen.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/467433/2

(2) https://www.gmx.net/magazine/news/coronavirus/who-verlangt-moratorium-auffrischimpfungen-corona-36058552

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