Wieviel Alltagsrassismus steckt in Ihnen? Landeszentrale für politische Bildung gibt Hinweise

Guten Morgen liebe Hessen,

Die Landeszentrale für politische Bildung ist eine Einrichtung des Landes Hessen und hat die Aufgabe, die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland mit ihren Grundwerten zu vermitteln. Hierzu gibt sie entsprechende Werke heraus, die kostenfrei oder gegen einen geringen Betrag abgegeben werden. Die meisten dieser Bücher erfüllen ihre Aufgabe sehr gut, einige jedoch sind von fragwürdigem Inhalt. Zu den letzteren gehört das Buch des Historikers Wolfgang Benz mit dem Titel „Alltagsrassismus“ aus dem Wochenschauverlag. Bereits der Titel lässt vermuten, dass es dabei weniger um sachliche und neutrale Information geht, sondern eher um Vermittlung eines bestimmten Weltbildes. Denn der Begriff „Alltagsrassismus“ vermittelt – wohl ganz gezielt – bereits den Eindruck, dass in Deutschland der Rassismus allgegenwärtig ist. Der unbefangene Leser fühlt sich bereits – ohne dass er das Buch überhaupt aufschlägt – direkt als Täter und Beschuldigter („Rassist“) angesprochen.

Und wer sich die Mühe macht, das Werk dann zu lesen, erfährt auf jeder Seite neu, dass er tatsächlich rassistisch eingestellt ist und wer seine Opfer sind. So findet man z.B. auf Seite 147 unter dem Stichwort „Muslime“ folgende Feststellung: „Das Bild, das die Mehrheit von Muslimen hat, ist durch religiöse, kulturrassistische und fremdenfeindliche Ressentiments geprägt. Wenn eine Umfrage ergibt, dass 80 % der Deutschen den Islam als „fanatische und gewalttätige Religion“ sehen, dann beruht diese Erkenntnis nicht auf der Beschäftigung mit Inhalten und Lehrmeinungen, nicht auf Kenntnis von Koran und Sunna, nicht auf dem Studium von Geschichte und Kultur des Islam“. Es mag zutreffen, dass die meisten der Deutschen tatsächlich weder den Koran gelesen noch Islamwissenschaften studiert haben. Aber ihre Meinung beruht dennoch nicht auf dumpfen „Vorurteilen“, wie der Autor meint, sondern vielfach auf eigenen Erfahrungen und vor allem aus Medien, die nicht als islamfeindlich bekannt sind. Medien, die z.B. unter der Überschrift „Scharia in Indonesien – Wenn Auspeitschung zum Massen-Event wird“ über die öffentliche Auspeitschung einer jungen Frau berichtet. Grund: Sie hat gegen die Scharia verstoßen, die es Unverheirateten verbietet, sich zu küssen oder sich alleine in einem privaten Raum zu treffen (1). Oder Berichte über Hinrichtungen im Iran (u.a. wegen Homosexualität), die vor großen Menschenmengen vollzogen werden (2). Wer diese – und viele ähnliche – Berichte verfolgt, kann leicht erklären, warum der Islam als „fanatische und gewalttätige Religion“ wahrgenommen wird. Und er wundert sich wahrscheinlich, warum nur 80 % der Bevölkerung das so sehen und nicht 95 oder 98 %.

Und weiter heißt es in dem Artikel: „Feindschaft gegen Muslime argumentiert seit dem Mittelalter mit schlichten Thesen der Abwehr, die durch Koran-Polemik die Religion und Kultur als vermeintlich inhuman denunzieren. Die Vorstellungen von muslimischer Despotie (beginnend in der Familie), Gewaltbereitschaft, Bildungsunlust reichen weit zurück“. Richtig – aber sie reichen bis in die Gegenwart und sind täglich sichtbar. Und dazu muss man nicht einmal in ein muslimisches Land reisen, auch hier reicht es, zuhause im Lehnstuhl zu bleiben und eine beliebige Tageszeitung aufzuschlagen oder den Fernseher einzuschalten. Und dort berichtet selbst das öffentlich-rechtliche Fernsehen hin und wieder über die Hinrichtung eines Kritikers des Mullah-Regimes im Iran (3).

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.srf.ch/news/international/scharia-in-indonesien-wenn-auspeitschung-zum-massen-event-wird

(2) https://www.merkur.de/politik/laut-un-sollen-im-iran-2016-mindestens-530-menschen-hingerichtet-worden-sein-zr-7706199.html

(3) https://www.zdf.de/nachrichten/politik/dissident-ruhollah-sam-iranischer-blogger-hingerichtet-100.html

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