„Wir schaffen das!“ geht weiter: Was 2015 Fachkräfte waren, sind heute Ortskräfte

Guten Morgen liebe Hessen,

Zehn Tage lang flogen Bundeswehrmaschinen Personen aus Afghanistan über Nachbarstaaten in die Bundesrepublik. Unter den Passagieren waren nur wenige sog. „Ortskräfte“ – etwa 5 Prozent der ausgeflogenen Personen. Über die Identität der Übrigen geben weder das Auswärtige Amt noch das Innenministerium Auskunft. Nach Angaben der ZEIT handelt es sich bei den übrigen teilweise um deutsche Staatsbürger, die in Afghanistan tätig waren, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und von deutschen Stiftungen sowie Afghanen, die für Entwicklungsprojekte tätig waren. Teilweise handelte es sich um in Deutschland lebende Afghanen, die in der Heimat Verwandte besucht hatten. Unter den ausgeflogenen befanden sich jedoch auch Straftäter, die in Deutschland wegen verschiedener Delikte – u.a. Vergewaltigung und Körperverletzung – verurteilt wurden und zwischenzeitlich nach Afghanistan abgeschoben worden waren (1).

Die Bundesregierung verbreitete – wie üblich – die Parole, dass aus Afghanistan vorrangig die besonders „Schutzbedürftigen“ nach Deutschland ausgeflogen werden, vor allem Frauen und Kinder, Frauenrechtlerinnen und Taliban-Gegner:Innen. Die zahlreichen Fotos vom Flughafen und von den überfüllten Frachtmaschinen zeigen jedoch ein völlig anderes Bild: ganz überwiegend junge und kräftige Männer. Ein Beteiligter beschreibt die Lage wie folgt: „Wer jung, männlich, kräftig und gewaltbereit war, hatte die besten Chancen durchzukommen“. Unter den etwa 5.000 aus Afghanistan nach Deutschland ausgeflogenen Personen befanden sich gerade mal 168 Ortskräfte, 469 deutsche Staatsbürger – aber auch 257 Personen ohne Ausweispapiere (2).

In den Flugzeugen, die über Taschkent nach Deutschland flogen, befanden sich nur wenige sog. „Ortskräfte“, die für Deutschland und die Bundeswehr gearbeitet hatten, sondern meist diejenigen, die stark genug waren, bis zu den Flugzeugen zu kommen (also junge, kräftige Männer). Unter ihnen befanden sich auch schwerste Straftäter, die bereits aus Deutschland abgeschoben worden waren (2).

Die Anzahl der Ortskräfte wird unterschiedlich angegeben – je nach Definition – und schwankt zwischen 1.000 und mehreren 10.000. Auf den „Ausreiselisten“ des Auswärtigen Amts stehen mehr als 10.000 Menschen, darunter afghanische Beschäftigte der Bundeswehr und besonders Schutzbedürftige wie Menschenrechtsaktivisten oder Frauenrechtlerinnen. Hinzu kommen deren Familienangehörige – insgesamt mehr als 40.000 Personen (3).

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.gmx.net/magazine/politik/afghanistan/evakuierungsfluege-afghanistan-luftbruecke-deutschland-36144068

(2) https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/aus-kabul-bundesregierung-flog-kinderschaender-nach-deutschland-77578434.bild.html#remId=1700413916075782778%25252525253FjsRedirect

(3) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/470503/4-5

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