„Wissenschaftlerin“ entdeckt: Spielkarten sind rassistisch, sexistisch, trans- und homophob

Guten Morgen liebe Hessen,

Rassismus und Sexismus lauern überall – selbst dort, wo es niemand vermutet. Zum Beispiel beim Kartenspiel. Genauer: bei den Karten, die für die verschiedenen Spiele – wie Skat, Doppelkopf oder Canasta – verwendet werden. Denn diesen ist eines gemeinsam: sie sind rassistisch und sexistisch. Und natürlich trans- und homophob. Über Jahrhunderte ist das niemandem aufgefallen, selbst begeisterten Kartenspielern nicht. Und da gab es viele: Giacomo Casanova und Gotthold Ephraim Lessing ebenso wie Winston Churchill und Franklin Rosseveelt, die gerne pokerten sowie die Skat-Spieler Johannes Rau und Gerhard Schröder. Das ist aber auch leicht zu erklären: Kartenspieler sind meist alte weiße Männer. Dabei fällt jedem, der ein Kartenspiel in der Hand hat, sofort auf: es gibt jeweils vier Könige, Damen und Buben. Also 8 Männer und 4 Frauen. Und die Könige sind in der Rangfolge höher als die Damen. Diese unhaltbare Situation wurde jetzt wissenschaftlich aufgearbeitet, und zwar von Susan Arndt, Anglistin und Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Literatur an der Universität Bayreuth. Zu ihren Arbeitsgebieten gehören „westafrikanische Frauenliteratur, Kritische Weißseinsforschung, britische Literatur mit einem Schwerpunkt Shakespeare, Sexismus, Intersektionalität, Feminismus und Rassismus“ (1).

Die „Wissenschaftlerin“ hat festgestellt: „Der König ist mehr wert als die Damen, so wie im Wort Herr die Idee von Herrschaft anklingt. Zudem steht die Hierarchie, die Adelstiteln am meisten Wert einräumt, für eine längst vergangene politische Ordnung und deren gesellschaftliche Realität“. Schlimmer noch, denn die Karten sind eindeutig rassistisch: „Es geht hier ja nicht nur darum, wer wie gezeigt wird, sondern wer überhaupt nicht repräsentiert ist. Und das sind Menschen, die nicht weiß sind“. Den Einwand der Spielkartenhersteller, die Tradition der Spiele und der Speilkarten zu bewahren, lässt die Wissenschaftlerin nicht gelten, da damit „längst überfällige Diskussionen ausgebremst“ werden. Denn es gehe darum, „eine tradierte Machtkonstellation zu erhalten, die weiße Männer als überlegene Norm setzt“. Denn die Botschaft der traditionellen Spielkarten ist eindeutig: „Frauen haben weniger Wert, weniger Bedeutung in der Gesellschaft – und nicht-heterosexuelle Personen oder schwarze Menschen müssen gar nicht berücksichtigt werden. Solche Bilder verfestigen sich in unserem Unterbewußtsein“ (2).

Stellt sich die Frage nach der Lösung des „Problems“. Eine einfache Änderung der Rangfolge (z.B: Dame höher als König) wäre keine Lösung. Denn nach wie vor wären dann nicht-binäre oder Trans-Personen nicht repräsentiert. Auch eine „Schwarzen-Quote“ wäre nicht zielführend, da sich dann möglicherweise Mongolen oder nordamerikanische Ureinwohner (Indianer) nicht repräsentiert sähen. Um das zu vermeiden, könnte man die Symbolfiguren König, Dame und Bube durch Tiere, Pflanzen oder tote Gegenstände ersetzen – wie etwa Tisch, Stuhl und Bett, wobei dann aber auch wieder das Problem des sprachlichen Geschlechts auftreten würde, wenn z.B. der Elefant im Spiel höher wäre als die Giraffe. Bliebe der Ersatz der Figuren durch Zahlen – wie etwa 11, 12 und 13. Auch das ist nur eine Scheinlösung, denn alle Zahlen sind sprachlich weiblich (die 7 oder die 10) und rangieren alle unter dem in vielen Kartenspielen vorhandenen Joker (der Joker!). Und hier hilft auch eine „Schwarzen-Quote“ oder „Trans-Quote“ nicht weiter: der Joker ist im Spiel nur einmal vorhanden. Und so bleibt für alle Kartenspiele nur die grüne Lösung: alle Kartenspiele verbieten. Ohne Ausnahme.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.transkultureluni-bayreuth.de/en/team/susan-arndt/index.php

(2) https://jungefreiheit.de/kultur/sein-und-zeit/2021/jass-kartenspiele-rassistisch-sexistisch/

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