Wozu deutsch lernen? Mit der Heimatsprache kommt man in Deutschland problemlos zurecht

Guten Morgen liebe Hessen,

Durch die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verfügten Schulschließungen wird der Lernprozess der Schüler mehr oder weniger ausgeprägt beeinträchtigt. Der Online-Unterricht und das Homeschooling – ggf. unter der Anleitung der Eltern – kann den normalen Präsenzunterricht nicht ersetzen und führt zwangsläufig bei den Schülern zu einem Wissensdefizit, das im besten Fall später nachgeholt werden kann, in vielen Fällen aber nicht mehr kompensiert werden dürfte. Es ist auch ganz offensichtlich, dass die Schulschließungen die Schüler nicht alle gleichmäßig treffen. Begabtere Kinder werden in der Lage sein, sich vieles durch Selbststudium anzueignen und den versäumten Lehrstoff später nachzuholen, weniger begabten Schülern wird dies nicht gelingen. Und selbstverständlich sind auch solche Schüler im Vorteil, deren Eltern in der Lage sind, ihnen etwas Mathematik, Physik oder Englisch beizubringen.
Diese Problematik hat die Kanzlerin bei ihren Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer um die Lockdown-Maßnahmen auch klar erkannt. Sie führte aus, dass der fehlende Präsenzunterricht vor allem solche Schüler belaste und benachteilige, „deren Eltern kein oder nur schlecht Deutsch sprechen“. Kinder aus Migrantenfamilien seien daher in einer „sehr viel schwierigeren Situation“. Weniger belastend sei die Situation dagegen für Kinder aus Familien, „wo beide Eltern die deutsche Sprache perfekt verstehen und sprechen und gleichzeitig vielleicht auch eine akademische Berufsausbildung haben“ (1).

Dieses Problem hat jedoch mit Corona nichts zu tun: es gibt begabte Kinder und weniger begabte Kinder. Und es gibt Eltern, die perfekt deutsch sprechen und eine akademische Berufsausbildung haben und solche, die kein Wort deutsch können und vielleicht sogar Analphabeten sind. Und genau das ist auch der Grund, warum es in der Schule keine Chancengleichheit gibt. Die Chancen sind nicht gleich verteilt. Nicht jedes Kind ist in der Lage, das Abitur zu schaffen – bei manchen reicht es nicht einmal zum Hauptschulabschluss. Aber während die Begabung der Kinder weitgehend genetisch determiniert ist, trifft dies für die Sprachkenntnisse der Eltern nicht zu. Jeder kann deutsch lernen, wenn er sich Mühe gibt. Aber genau da liegt das Problem. Viele Zuwanderer wollen überhaupt nicht deutsch lernen. Und sie müssen es auch nicht. Denn in Deutschland kommt man mit vielen Heimatsprachen der Zuwanderer bestens klar. Es gibt türkische und arabische Cafes, Läden, Ärzte und Rechtsanwälte. Und auch in der öffentlichen Verwaltung wird niemand genötigt, deutsch zu sprechen. So hält etwa die bunte und vielfältige Stadt Frankfurt alle Merkblätter und Formulare in verschiedenen Sprachen vor. Die Ausfüllanleitung für den Rentenantrag gibt es in 20 (zwanzig!) verschiedenen Sprachen. Da wird dem Migranten klar signalisiert: selbst wenn Du vierzig Jahre in Deutschland gearbeitet hast und jetzt in den wohlverdienten Ruhestand gehen willst, musst Du kein Wort deutsch verstehen. Den Rentenantrag kannst Du auch in bulgarisch, türkisch, arabisch oder Suaheli ausfüllen. Und so ist die Motivation vieler Zuwanderer, die deutsche Sprache zu erlernen gleich null, weil sie mit ihrer Heimatsprache problemlos zurechtkommen. Genauso wie der deutsche Urlauber in Mallorca, wo in jedem Hotel und in jeder Kneipe deutsch verstanden wird. Aber der fährt nach zwei oder drei Wochen wieder nach Hause.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/schulschliessungen-merkel-sieht-migrantenkinder-benachteiligt/

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