Zahlen und Fakten rund um die Impfung

Guten Morgen liebe Hessen,

Seit einiger Zeit kursieren im Netz Zahlen über angebliche Nebenwirkungen von Corona-Impfungen, die sich auf die Europäische Datenbank berufen. Vorab: die Zahlen stimmen nicht und finden sich nicht in der Datenbank. Aber selbst wenn sie stimmen würden: niemand kann etwas damit anfangen, aber sie tragen zur Verunsicherung der Bevölkerung bei – was wohl auch beabsichtigt ist.

Zu den Zahlen: da liest man „Impfschäden Europa: 272.781“ und „gemeldete Todesfälle durch Impfung: 5.943“. Nicht erklärt wird, was unter „Impfschäden“ zu verstehen ist. Handelt es sich um leichte und harmlose Reaktionen oder um schwerwiegende Nebenwirkungen? Bei den Todesfällen durch Impfungen handelt es sich tatsächlich um Todesfälle, die im Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten sind. Diese können tatsächlich durch die Impfung verursacht sein. In vielen Fällen handelt es sich um Todesfälle, die zufällig im zeitlichen Kontext mit einer Impfung aufgetreten sind, meist bei alten und multimorbiden Patienten. Aber auch die Zahlen sind – selbst wenn sie stimmen würden – ohne jede Aussage. Denn es fehlt die Bezugsgröße. 1.000 Todesfälle bei 10.000 Impfungen sind viel, 1.000 bei einer Milliarde Impfungen dagegen sehr wenig – 0,1 pro 100.000. Das Risiko, an Aspirin zu sterben, ist höher.

Deshalb die richtigen Zahlen: Corona-Fälle in Deutschland (Stand 26.11.2021): 5.650.170, davon verstorben 100.476, d.h. 1.778 pro 100.000 Erkrankte. Impfungen in Deutschland (Stand 30.09.2021): 107.888.714. Gemeldete Nebenwirkungen: 172.188, davon schwerwiegend 21.054. Somit traten bei 160 pro 100.000 Geimpften, Nebenwirkungen auf, bei 20 pro 100.000 schwerwiegende Nebenwirkungen und bei 3,2 pro 100.000 solche mit bleibenden Schäden. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 1,4 pro 100.000 Geimpften (1).

Jetzt zur entscheidenden Frage: Soll man sich impfen lassen oder nicht? Diese Entscheidung kann man emotional treffen oder rational. Im letzteren Fall geht es dann um die Frage der Risikoabwägung: was ist gefährlicher – Impfung oder unterlassene Impfung? Betrachtet man das Todesfallrisiko (und nur das lässt sich vergleichen), so beträgt dies bei der Impfung etwa 1,4 pro 100.000, bei einer Corona-Infektion dagegen 1.778 pro 100.000 – also etwa 1.200-mal so viel. Das betrifft natürlich nur diejenigen, die sich infizieren und erkranken, und das sind selbstverständlich weniger. Das Infektionsrisiko ist schwierig zu bestimmen. Wer sich auf eine einsame Insel zurückzieht und keinen Kontakt zur Außenwelt hat, hat ein Infektionsrisiko von null und benötigt dann auch keine Impfung. Wer sich dagegen jeden Tag in engem Kontakt mit vielen Menschen bewegt und dabei nicht ständig eine Maske trägt, hat ein Infektionsrisiko, das im Lauf der Zeit einen Wert von 100 % erreicht. Für den „normalen“ Bürger, der in üblicher Weise am gesellschaftlichen Leben teilnehmen will und in der Bar oder dem Restaurant die Maske abnimmt, liegt es irgendwo dazwischen – aber ganz sicher deutlich über 0,1 %. Damit ist aber klar: auch unter Berücksichtigung des Restrisikos einer Infektion mit Impfung ist das Risiko einer Impfung deutlich geringer als das Risiko einer unterlassenen Impfung – jedenfalls dann, wenn man die sozialen Kontakte nicht auf null reduzieren möchte.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

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