Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma zufrieden: Zigeunersoße wird umbenannt

Guten Morgen liebe Hessen,

Nachdem es in den meisten Gaststätten kein Zigeunerschnitzel mehr gibt, stellen nunmehr verschiedene Hersteller die Produktion der Zigeunersoße ein bzw. benennen ihr Produkt sprachlich korrekt um (1). Zigeunerschnitzel heißen jetzt meist Balkan-Schnitzel, die Zigeunersoße „Paprika-Soße – feurig“ oder „Paprika-Soße – ungarische Art“. Schwieriger wird es beim „Zigeunerbaron“. Der kann nicht umbenannt werden und wird daher an den meisten Bühnen seit langem nicht mehr aufgeführt.

Mit der Umbenennung wird eine alte Forderung des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma umgesetzt. Der Vorsitzende des Zentralrats gibt sich zufrieden: „Es ist gut, dass Knorr hier auf die Beschwerden offenbar vieler Menschen reagiert“. Denn der Begriff „Zigeuner“ ist eine alte Bezeichnung für verschiedene Volksgruppen, die sich vermutlich von Indien aus in Südosteuropa ansiedelten. Der Zentralrat lehnt diese Bezeichnung als „eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft“ als diskriminierend ab. Gleichwohl bereitet ihm „der wachsende Antiziganismus in Deutschland und Europa größere Sorgen“ (1). Denn mit der Änderung der Bezeichnung ändert sich natürlich nichts an der Ablehnung von Sinti und Roma in Teilen der Bevölkerung, insbesondere dort, wo sie sich im Zuge der verstärkten Zuwanderung aus den neuen EU-Ländern Bulgarien und Rumänien bevorzugt angesiedelt haben. Dort beschweren sich die Bewohner nicht selten über „laute Musik, Geschrei und Grillgelage bis tief in die Nacht und aus den Fenstern geworfenen Müll“ (2).

Für diese Missstände scheint sich der Zentralrat jedoch nicht zuständig zu fühlen. Der Präsident des Zentralrats „warnt vor pauschalen Diffamierungen, die Auslöser von Gewalt werden könnten“ (3). An diese Stelle fragt man sich, warum Sinti und Roma überhaupt einen Zentralrat besitzen, obwohl sie nach eigenen Angaben seit mehr als 600 Jahren in Deutschland leben. Andere Gruppen von Zuwanderern scheinen eine solche Interessenvertretung nicht zu benötigen. So wanderten etwa im 19. Jahrhundert zahlreiche Polen ins Ruhrgebiet ein. Diese haben sich schnell – und ohne Integrationsbeauftragte, bezahlte Sprachkurse, einen Zentralrat oder einen Migrantenbonus – integriert. Ihre Nachkommen sind heute nur noch an den teilweise schwierig auszusprechenden Namen zu erkennen.

Auch die vor 300 Jahren eingewanderten Hugenotten hatten offensichtlich keine Probleme mit der Integration. Ihre Nachfahren haben es ohne die Unterstützung eines Zentralrats und ohne Migrantenquote in höchste Staatsämter geschafft. Alleine die Familie de Maiziere stellte mindestens einen Bundesminister, einen Ministerpräsidenten und einen Bundeswehr-Generalinspekteur.

Und es gibt keinen Zentralrat der Italiener in Deutschland. Und das obwohl Italiener erst vor fünfzig bis sechzig Jahren in größerer Zahl nach Deutschland einwanderten. Auch wenn diese anfänglich in der deutschen Bevölkerung nicht gerade beliebt waren und vielfach als „Spaghetti“ bezeichnet wurden, sind Italiener längst voll integrierte und anerkannte Bürger dieses Landes, die keinerlei Diskriminierung oder Ausgrenzung beklagen. Im Gegenteil: italienische Restaurants sind inzwischen beliebter Treffpunkt der Bio-Deutschen und haben vielerorts die Deutsche Speisegaststätte abgelöst. Die Gaststätten, in denen man auch heute noch hin und wieder ein Zigeunerschnitzes bestellen kann.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.focus.de/finanzen/boerse/neuer-name-lebensmittelhersteller-knorr-reagiert-auf-rassismusdebatte-und-benennt-zigeunersauce-um_id_12323815.html
(2) https://www.welt.de/politik/deutschland/article113882481/Mit-Zuzug-der-Roma-prallen-Welten-aufeinander.html
(3) https://www.wz.de/thema-des-tages/sozialbetrug-und-muell-aerger-in-quartieren-waechst_aid-25037261

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