Zukünftiger Ex-Außenminister Heiko Mass (SPD): Lautstark bei künstlicher Empörung, unhörbar bei aufrichtiger Anteilnahme

Guten Morgen liebe Hessen,

Ein besonders schwerer Fall von Antisemitismus schlug in den vergangenen Wochen hohe Wellen. Ein weithin unbekannter Sänger behauptete, Anfang Oktober in einem Leipziger Hotel antisemitisch beleidigt worden zu sein. Angeblich habe ihn an der Hotelrezeption ein Mitarbeiter mit dem Satz „Packen Sie Ihren Stern ein!“ aufgefordert, seine Kette mit dem Davidsstern abzulegen. Der Sänger verbreitete seine Version des Vorfalls bei Instagram und erstattete eine Woche später Strafanzeige gegen den Hotelmitarbeiter, der jedoch den Vorfall bestritt (1).

Was sich tatsächlich abgespielt hat, ist derzeit noch offen. Aber BILD veröffentlichte mehrere Videos und Fotos, die den Sänger an dem besagten Abend in der Hotellobby zeigen. Zu sehen ist er beim Betreten des Hotels, im Gespräch mit einer Person an der Rezeption und beim Verlassen des Hauses. Gut zu erkennen ist, dass der Sänger eine schwarze geöffnete Lederjacke trägt, darunter ein T-Shirt. Was nicht zu sehen ist, ist jedoch die silberne Kette mit dem auffällig großen Davidstern, die er später in seinem Instagram-Video präsentiert. In seiner Vernehmung soll der Sänger nunmehr ausgesagt haben, er könne nicht mehr sagen, ob er beim Einchecken im Hotel die Kette überhaupt bzw. sichtbar getragen habe (1). Der Sänger äußerte sich dazu, dass es nicht darum gehe, „ob die Kette zu sehen war“, sondern darum, dass er antisemitisch beleidigt worden sei (2). Dabei war es jedoch genau diese Kette, die der angebliche Auslöser der angeblichen Beleidigung gewesen sein soll. Es entsteht der Eindruck, dass es dem Sänger einfach um mediale Aufmerksamkeit ging, die ihm die Öffentlichkeit aufgrund seines Gesangs möglicherweise verweigert.

Peinlich genug, aber noch peinlicher war der Auftritt des – für den Vorfall eigentlich unzuständigen – Bundesaußenministers. Der hatte sich kurz nach dem Vorfall – und selbstverständlich ohne irgendwelche Ermittlungsergebnisse abzuwarten – geäußert. Heiko Maas zeigte sich „bestürzt und fassungslos über die mutmaßlichen Äußerungen gegen Gil Ofarim“ und kommentierte das Ereignis fachkundig: „Leipzig ist kein Einzelfall“. Er forderte einen „Schulterschluss der Gesellschaft“ gegen Antisemitismus. Alle müssten sich daher „immer und überall“ dem Antisemitismus entgegenstellen (3).

Über die Ermordung mehrerer Frauen in Würzburg durch einen somalischen Asylbewerber vor einigen Wochen zeigte sich der Minister deutlich weniger bestürzt oder gar fassungslos. Zum Thema nur ein dünner Tweet im Telegramm-Stil, zusammengesetzt aus vorgefertigten Bausteinen: „Grausame Tat in Würzburg. Gedanken sind bei Opfern. Tat muss sorgfältig aufgeklärt werden. Radikalität bekämpfen, egal wo sie herkommt“ (4). Hier spürt man förmlich die aufrichtige Anteilnahme des Ministers in jedem einzelnen Buchstaben. Gut, dass er die sorgfältige Aufklärung der Tat fordert. Vermutlich würden ansonsten die zuständigen Strafverfolgungsbehörden untätig bleiben. Hoffentlich bleibt uns dieser hochkompetente Minister noch lange erhalten.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/bild-plus/unterhaltung/leute/leute/trug-gil-ofarim-die-davidstern-kette-im-hotel-es-geht-um-was-groesseres-77979224,la=de.bild.html

(2) https://www.focus.de/kultur/vermischtes/geht-nicht-darum-ob-die-kette-zu-sehen-war-nach-antisemitismus-vorfall-neue-videoaufnahmen-zeigen-gil-ofarim-ohne-davidstern-kette_id_24339367.html

(3) https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-10/antisemitismus-gil-ofarim-leipzig-westin-hotel-davidstern-heiko-maas-rede

(4) https://mobile.twitter.com/_BK_says/status/1408745199799619585

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