ZUNAHME DER „MESSER-MENTALITÄT“: Junge Männer mit besonderer Fachkraft beschäftigen Justiz, Verwaltung und Ärzte

Guten Morgen liebe Hessen,

Messerstechereien sind fast so alt wie die Menschheit. Es dauerte nach der Erfindung des Messers wahrscheinlich nicht lange, bis jemand erstmals mit einem Messer verletzt oder getötet wurde. Auch bei der Gletschermumie „Ötzi“ geht man davon aus, dass er mit einer Stichwaffe zumindest verletzt – oder gar getötet wurde. Seit einigen Jahren liest man in den Zeitungen zunehmend von Messerangriffen oder Messerstechereien – häufig mit tödlichem Ausgang. Täter und Tatbeteiligte sind fast ausnahmslos „junge Männer“. Weitere Angaben unterbleiben meist oder finden sich nur im Kleingedruckten, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen. Und da fast täglich über Messerstechereien berichtet wird, werden die Meldungen meist kaum mehr beachtet – ähnlich wie die über Ladendiebstähle oder Auffahrunfälle auf der Autobahn. Und so wurde kürzlich über die Tötung eines Mannes vor dem Leipziger Hauptbahnhof berichtet, der Opfer einer Messerattacke geworden war. Laut Angaben der Polizei gerieten die beiden „jungen Männer“ in Streit, in dessen Verlauf der eine – ein 25-jähriger Tunesier – das zufällig mitgeführte Messer zückte und seinen Kontrahenten – einen 29-jährigen Libyer – erstach (1).

Zwei Tatbeteiligte – ein einfacher Fall. Manchmal liegen die Verhältnisse aber komplizierter. Denn „junge Männer“ treten meist in größeren Gruppen auf, was dann häufiger zu Komplikationen führt. So wie z.B. Ende April in Hanau. Da traf eine Gruppe von 6 jungen Männern – ein Iraker und fünf Syrer – auf eine andere Gruppe von drei jungen Männern – allesamt Albaner. Der 26-jährige Syrer Azad S., der seit 2014 in Deutschland lebt, war mit seinen Kumpels unterwegs, wobei er Alkohol getrunken und einen Joint geraucht hatte. Irgendwann musste er urinieren, was er an Ort und Stelle erledigte, worauf er von einem der Albaner „beleidigt“ worden sei. Im weiteren Verlauf sei gegenseitig die Beleidigung „Hurensohn“ gefallen. Daraufhin habe der Albaner ein Messer aus seiner Hosentasche genommen und auch der Syrer habe sein Klappmesser gezogen, das in seiner Hosentasche gewesen sei, „weil es bei der Arbeit gebraucht werde“.

Daraufhin eskalierte die Situation. Ergebnis: mehrere Beteiligte der Auseinandersetzung erlitten teils lebensgefährlicher Verletzungen, Schnitte und Stichwunden sowie Kopfplatzwunden (2).

Derzeit stehen die neun jungen Männer vor dem Landgericht Hanau – angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchtem Totschlag und im Gerichtssaal gut bewacht von jeweils einem Justizwachtmeister. Ebenfalls anwesend: neben dem Gericht und dem Staatsanwalt zahlreiche Anwälte und Dolmetscher, dazu weitere Polizeibeamte mit Schutzwesten und Schusswaffen. Denn das Gericht befürchtet, dass der Streit auch im Gerichtssaal weitergehen könnte, ggf. unter Beteiligung von Zuschauern. Und so wird eine nächtliche Beleidigung zum gerichtlichen Schauspiel mit zahlreichen Beteiligten aus Justiz, Verwaltung und Polizei.

Was das Ganze kostet, wird in der Presse nicht berichtet, aber es kommt sicher einiges zusammen: Behandlung der Verletzten im Krankenhaus, Untersuchungshaft, Gerichtskosten, Anwaltskosten, Kosten für Dolmetscher und Zeugen, Kosten für weiteres Wachpersonal und Polizei. Da kommt schnell ein 6-stelliger Betrag zusammen. Wieviel genau, wissen wir nicht. Aber wir können vermuten, wer das Ganze bezahlen wird.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/regional/leipzig/leipzig-news/leipzig-mann-vor-hauptbahnhof-getoetet-festnahme-73926924.bild.html
(2) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/465863/50

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