Zustände in Deutschland immer schlimmer – Experte rät: Fernseher ausschalten! Dann sieht man die Realität nicht mehr & das Problem ist „gelöst“.

Nach dem Mord am Frankfurter Hauptbahnhof haben sich zahlreiche Politiker und Experten zu Wort gemeldet. Fast jeder fühlte sich berufen, sich öffentlich dazu zu äußern. Aber es äußern sich auch echte Experten, wie z.B. der Psychotherapeut Christian Lüdke. Wer mit dem Namen nichts anfangen kann: Christian Lüdke ist derjenige Experte, der allen WDR-Zuschauern zu der Erkenntnis verhalf, dass ein Vergewaltigungs-Opfer später ein anderes Leben führen als ohne Vergewaltigung führen wird, „aber dieses Leben muss nicht unbedingt schlechter sein. Es ist einfach nur anders“ (1). Also ein echter Experte.

Lüdke ist als Psychologe auch Experte für das Thema Angst, das gerade im Zusammenhang mit Taten wie dem Mord am Hauptbahnhof immer wieder genannt wird. Denn diese Taten lösen selbstverständlich bei vielen die Angst aus, ebenfalls Opfer eines solchen Anschlags zu werden. FOCUS-Online hat mit dem Experten Lüdke darüber gesprochen, wie man mit solchen Ängsten umgehen kann. Dieser erklärt: „Unser Sicherheitsgefühl ist erst einmal erschüttert“. Es könne ein Vermeidungsverhalten resultieren, das sich z.B. darin zeiget, sich eine Weile von Bahnhöfen fernzuhalten. Das sei völlig normal. Wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum andauern, könne es auch sinnvoll sein, „eine Weile den Fernseher auszumachen und sich den Bildern nicht mehr auszusetzen“ (2).

Das ist die Lösung des „Experten“: Fernseher ausschalten. Dann sieht man die Realität nicht mehr und das Problem ist „gelöst“. Dieser Vorschlag könnte auch von der Kanzlerin stammen: „Angst ist nie ein guter Ratgeber“ (3). Doch – ist sie ist (meist jedenfalls). Sogar ein lebenswichtiger Ratgeber, der der Menschheit und der Tierwelt bis heute das Überleben sicherte. Denn Angst ist ein wichtiger Schutz- und Überlebensmechanismus, der in Gefahrensituationen das Individuum in die Lage versetzt, angemessen zu reagieren, d.h. sich entweder gegen die Gefahr zu wehren oder vor ihr zu fliehen (Fight-or-Flight).

Angst stellt sich normalerweise dann ein, wenn man mit einer Situation konfrontiert wird, in der – aufgrund eigener oder fremder Erfahrung – eine Gefahr droht. Und die Angst versetzt das Individuum dann in die Lage, der Gefahr zu entgehen. Nimmt man diese Angst – etwa durch Ausschalten des TV oder auch durch entsprechende Medikamente – ist diese dann zwar weg, die Gefahr aber immer noch da. Und man ist ihr schutzlos ausgeliefert, weil die rettende Angstreaktion fehlt. Und so ist der Rat des Psychologen, den Fernseher auszuschalten, um sich den Bildern nicht mehr auszusetzen, genauso wertvoll wie der Hinweis an eine vergewaltigte Frau, dass das Leben danach nicht schlechter ist, sondern nur anders.

Und deshalb ist nicht die Angst der schlechte Ratgeber, sondern der Psychologe, der rät, etwas gegen die Angst zu tun. Das einzig sinnvolle ist, sich zu überlegen, wie man die Situation vermeiden kann, die die Angst auslöst. Dazu kann man vor einer Bedrohung fliehen. Man kann aber auch versuchen, eine bedrohliche Situation zu vermeiden. Und ein Staat ist verpflichtet, seine Bürger vor Personen zu schützen, die eine Bedrohung darstellen. Das macht er z.B., indem er Personen einsperrt, von denen mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Bedrohung ausgeht.

Ihr Rainer Rahn
Landtagsabgeordneter

(1) https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/aktuelle-stunde/video-studiogespraech-mit-christian-luedke-kriminalpsychologe-100.html

(2) https://www.focus.de/perspektiven/psychotherapeut-erklaert-bahnsteig-toetung-wie-man-mit-der-angst-umgeht-und-was-eltern-beachten-muessen_id_10979671.html

(3) https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/merkel-video-wird-internet-hit-aber-angst-ist-nie-ein-guter-ratgeber/12304574-2.html?ticket=ST-3171586-zLKsV4111SPg2K2TG6xZ-ap1

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